Dienstags im Koi - der Podcast von kulturmanagement.net

Folge 25: Soziale Nachhaltigkeit gestalten

Julia Jakob, Kristin Oswald, Dirk Schütz, Olivier Marchal Season 1 Episode 45

Die erste Folge in 2026 mit Kristin Oswald und Dirk Schütz kreist um die Frage, wie Kultur unter Druck handlungsfähig bleibt. Zwischen Budgetkürzungen, gesellschaftlichen Rückwärtsbewegungen und wachsender Überforderung geht es um Selbstwirksamkeit, Verantwortung und die Fähigkeit von Kultur, Orientierung zu geben. Soziale Nachhaltigkeit erscheint dabei nicht als moralischer Anspruch, sondern als Voraussetzung für zukunftsfähige Organisationen. Personalbindung, Barrierefreiheit, Diversität und Motivation kommen in diesem Kontext auf. Ein Appell zum Jahresbeginn: Veränderung aktiv gestalten, bevor sie von außen erzwungen wird.

Jahresrückblick 2025: https://www.kulturmanagement.net/Themen/Jahresrueckblick-2025-vom-Erhalten-zum-Gestalten,4815

KMN Magazin Ausgabe 186 Soziale Nachhaltigkeit: https://cdn.kulturmanagement.net/dlf/aee145fe594c9873303c81ffb169e552,1.pdf

TheaterEnergieForum im Staatstheater Kassel: https://www.staatstheater-kassel.de/news/erstes-theater-energie-forum-im-staatstheater-kassel

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Hallo, liebe Hörende und herzlich willkommen zur 25. Plauschfolge des Podcasts Dienstags im

Koi von Kulturmanagement Network. Mein Name ist Christin Oswald und heute ist bei mir

wieder unser Geschäftsführer Dirk Schütz.

[Sprecher 1]

Hallo.

[Sprecher 2]

Die 25. Plauschfolge ist zugleich die erste Folge im Jahr 2026 und diesen Anlass wollen wir

natürlich nutzen und erstmal auf das vergangene Jahr zurückschauen und vielleicht ein

bisschen auch auf das neue Jahr vorzuschauen. Dirk, wie war denn das Kulturjahr 2025 für dich

in zwei Sätzen?

[Sprecher 1]

In zwei Sätzen? Das ist ja gemein. Ich könnte sagen gut und schlecht.

Das Gute war, dass wir ein neues Nachwuchsmitglied in unserer KM-Familie begrüßen durften.

Unsere Chefredakteurin Magazin, die Jule, hat hier ein Kind bekommen und ist ganz glücklich

damit und wir sind glücklich mit ihr zusammen. Und das ist auch eine ganz süße Maus, also wir

freuen uns sehr.

Und das Zweite ist natürlich, dass wir als Dienstleister im Kulturbereich natürlich genauso mit

den Widrigkeiten und Hin und Her, sondern auch im Absen des Kulturbetriebs zu kämpfen

haben wie alle und das natürlich auch auf uns nicht ohne Wirkung bleibt.

[Sprecher 2]

Ja, gleichzeitig habe ich, als ich zusammen mit Anja, unserer lieben Kollegin, den

Jahresrückblick geschrieben habe, schon gedacht, 2025 war wieder ein Jahr mit viel

Beigeschmack, sage ich mal, mit viel negativen Beigeschmack auch. Also es hat sich sicherlich

vieles durchaus ins Negative entwickelt. Wir reden über Budgets und Kürzungen, wir reden

über politische Angriffe, wir reden über die Frage, inwieweit sich auch gesellschaftlich vielleicht

Entwicklungen wieder zurückdrehen oder wieder weniger wichtig werden, bei denen man

vielleicht schon mal das Gefühl hatte, dass wir weiter sind.

Und gleichzeitig, glaube ich, kann man aber auch sagen, 2025 ist im Kulturbereich doch wieder

mehr in Bewegung gekommen. Also das ist so ein bisschen mein Eindruck und den habe ich

eigentlich schon seit vielen Jahren, dass gerade Krisenzeiten auch zum einen die Relevanz von

Kultur nochmal anders herausbringen oder anders zutage treten lassen und dass Krisenzeiten

aber gleichzeitig auch dazu führen, dass Kultur, naja, sich anpassen muss, ob sie will oder nicht,

sich bewegen muss. Aber ich glaube, dass eben auch sehr oft möchte.

Also ich glaube, sehr, sehr viele Menschen im Kulturbereich wollen eigentlich etwas dazu

beitragen, dass Menschen diese Krisen reflektieren oder durchstehen können, dass sich die

Gesellschaft in eine Richtung entwickelt, die positiv für die meisten ist und nicht nur für wenige.

Und dass sich gerade in Krisen eigentlich zeigt, was Kultur auch leisten kann. Und also ein

bisschen, sagen wir ironisch gesagt, es ist ja auch gewissermaßen leichter, das in Krisen zu

zeigen, als in Zeiten, in denen irgendwie alles gut läuft.

Denn gerade Kultur und ihre Reflexionsfähigkeit haben natürlich auch in Krisen viel mehr

Ansatzpunkte oder viel mehr Möglichkeiten, wenn man so möchte, den Leuten doch eben

etwas auch an die Hand zu geben und etwas mitzugeben. Und ich habe schon das Gefühl, dass

das viele wollen und dass nun die aktuellen Veränderungen auch dazu führen, dass mehr

passiert, als es vielleicht vor zehn Jahren noch der Fall war. Verteilst du das?

[Sprecher 1]

Das ist natürlich ein Riesenrahmen. Also letztendlich ist es, glaube ich, nie einfach, Kultur zu

machen, Kultur zu befördern, Kultur voranzubringen. Und klar, ich kann nachvollziehen, was du

sagst, dass es in Krisenzeiten, dass da viele Eigenschaften hervortreten und auch hervortreten

müssen, die der Kultur immanent sind, die manchmal irgendwie verschütt gehen oder nicht so

präsent sind.

Und das ist auch wie bei uns als Unternehmen so. Letztendlich musst du da auch die ganze

Klaviatur spielen, die es gibt. Und das fordert am meisten heraus.

Und für viele Menschen ist das auch eine Genugtuung, so eine Herausforderung dann zu

meistern. Wobei es wahrscheinlich auch viele so darstellen würden, dass es schon

überfordernd ist. Nicht herausfordernd, sondern überfordernd.

Und ja, ich teile auch die Meinung, dass es aus meiner Sicht der Kultur ganz gut tut, jetzt wieder

stärker sich auf ihre Stärken zu beziehen. Und es vielleicht in den letzten Jahren nicht für alle,

aber für einige, ich will nicht sagen zu gut lief, aber auch so lief, dass man jetzt schon so eine

gewisse Gewohnheit darin hatte und dass das nie gut ist. Das ist auch in Unternehmen nie gut.

Auch nicht in Unternehmen wie unseren. Wir versuchen ja selber fast schon in den

angenehmsten Zeiten krisenhaft über uns nachzudenken, weil wir halt auch immer gucken

wollen, dass wir nicht stehenbleiben, nicht stillstehen, es weiterentwickeln. Und natürlich

könnte man es einfacher haben und das einfach nur genießen, aber dann wäre ein ganz

wesentlicher Reiz unserer Arbeit weg.

Und ich glaube, dann wäre auch ein ganz wesentlicher Reiz kultureller Arbeit weg, wenn es

einfach alles vor sich hin plätschert. Und ich hoffe, dass die Kraft, die in Kultur steckt, in

künstlerischer Arbeit steckt, in dem, was Kultur auch der Gesellschaft geben kann, dass das

jetzt wieder stärker nach vorne treten kann. Obwohl man natürlich auch sehen muss, dass es

sehr, sehr viele Dinge gibt, die nicht nur im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie, sondern

auch im Sinne von Dringlichkeit oder Ähnlichem vielleicht hervorstechen.

Aber auch da, denke ich, kann Kultur viele Eigenschaften auch einnehmen, die sie hat, kann

versöhnen, kann aufrütteln, kann wachrütteln, kann dynamisieren, kann elektrisieren, Energie

bringen, was auch immer, um da eben auch Dinge voranzubringen. Und das ist eigentlich auch,

wenn man sich darauf wieder besinnt, kann das auch sehr, sehr befriedigend sein, dann eben

zu gucken, was man damit alles erreichen kann. Also das klingt ja alles sehr vage und ist gar

nicht konkret, aber vom Gefühl her, glaube ich, kann in solcher Situation wie jetzt man am

meisten erleben, was Kultur eigentlich leisten könnte und kann.

Und wie schwierig es wäre ohne Kunst- und Kulturangebote. Ich glaube auch, dass es in

vielerlei Hinsicht die jetzige Situation gerade gut tut, auch darüber zu reflektieren, ob man nicht

bei vielen Dingen übers Ziel hinausgeschossen ist, ob man auch seine eigene Stellung in der

Gesellschaft nochmal anders reflektieren muss, das reflektieren muss, was man der

Gesellschaft auch geben will und kann, wo man sich auch einmischen kann, wo auch Kultur

wieder oder noch Avantgarde sein kann und so weiter.

Also ich glaube, es könnte vielen auch Antrieb geben bei all den Diskussionen auch ums Geld,

aber da ist eben die Herausforderung, dass sich schon immer Dinge geändert haben und auch

schon immer Geldflüsse geändert haben und auch Aufmerksamkeiten geändert haben und

man das eben als Herausforderung annehmen muss. Und es vielleicht auch in mancher

Hinsicht gut tun kann, mal zu hinterfragen, ob man das, was man jetzt immer gemacht hat,

nicht doch verändert oder anders macht oder neue Dinge anbietet und all das weglässt. Es gibt

vielerlei Möglichkeiten, die so eine Reflektion dann nach sich ziehen kann.

[Sprecher 2]

Naja klar, ich meine einerseits ist es schon so, dass jetzt viel, also es ist sicherlich auch viel

irgendwo aufgezwungene Veränderungen, Dinge, die von außen, auch immer gesellschaftlich,

politisch, von Trägerseite, von Wirtschaftsseite, was auch immer kommen und mit denen sich

Kultur zwingend beschäftigen muss. Aber mein Eindruck ist schon, dass sie das vielerorts auch

will. Und das ist, also es ist definitiv überfordernd, das glaube ich auch, weil einfach wahnsinnig

viele Themen auf der To-Do-Liste stehen und man vielleicht gar nicht weiß, womit man

anfangen soll.

Aber ich glaube, dass man anfangen muss. Und die Frage, sehe ich das als Problem oder sehe

ich es vielleicht auch als Aufschwung, als Möglichkeit, etwas zu tun, dass man vielleicht auch

mit so einer Perspektive dann in ein neues Jahr starten kann und sich überlegen kann, gehe ich

jetzt mit der Einstellung an das neue Jahr ran, alles ist schlecht oder gehe ich damit ran, ich

kann jetzt etwas verändern und wir können uns vielleicht in eine Richtung entwickeln, auf die

wir auch Lust haben, die wir selbst auch gut finden würden, die uns vielleicht als Team

zusammenschweißt, die uns vielleicht mit unserer Stadtgesellschaft nochmal anders verbindet

oder was auch immer. Und von daher hoffe ich, dass trotz all der vielleicht Überforderung und

der negativen Gedanken des letzten Jahres, so ein bisschen diese positive Stimmung doch

erstmal in das neue Jahr reinschwappt. Und es war schon, also mein Eindruck von den vielen

Tagungen, die wir letztes Jahr besucht haben und von den Gesprächen, die wir hatten, hatte ich

schon den Eindruck, dass das auch so ist.

[Sprecher 1]

Also was man sicherlich, wenn man auf so Tagungen ist oder generell feststellen kann, ist, dass

es ein stärkeres Bewusstwerden gibt. Und andererseits muss man natürlich sagen, viele Dinge,

über die wir jetzt diskutieren, die als Probleme jetzt daherkommen, waren absehbar. Ja.

Und waren vielleicht schon lange da und hatte halt die Augen davor verschlossen oder es ist

nicht angegangen oder hatte halt gedacht, naja, bisher gab es immer noch mehr Geld oder

man konnte noch dieses und jenes zusätzlich machen und musste sich vielleicht mit

Verteilungskämpfen eigentlich gar nicht mehr so richtig beschäftigen und hat deswegen auch

viele strategische Dinge aus dem Blick genommen und auch viele Dinge, die verändert

gehörten, aus dem Blick genommen.

Dabei sind die massiven Einschnitte noch gar nicht so lange her, wenn ich an Corona denke.

Aber ganz viele Dinge, die da passiert sind, war ja für uns auch interessant, das zu beobachten,

ob die zu irgendetwas führen, zu Veränderungen führen. Es war interessant, dass es wirklich

wie so eine Art Gummi, was man auseinandergezogen hat, wieder zurück in seine

Ursprungssituation dann zurückgeschnitten ist.

[Sprecher 2]

Ja.

[Sprecher 1]

Ob das jetzt Digitalisierung ist, ob das Personal ist, ob das Publikum ist, was auch immer. Und

vielleicht, also man will es gar nicht wahrhaben, aber manchmal ist es tatsächlich so, dass man

den Eindruck gewinnt, es braucht erst wirklich heftige Krisen oder heftige Situationen, damit es

so eine Art Auffachen gibt. Und ich hoffe mal, dass das der positive Impuls ist, dass man sagt,

jetzt gehen wir aber Dinge an.

Also jetzt verändern wir wirklich Dinge. Jetzt stellen wir uns anders auf. Jetzt diskutieren wir

anders.

Jetzt suchen wir uns neue Allianzen. Wir schauen das Alter an und entschlacken. Wir wollen

auch wieder beweglicher werden.

Das ist ja auch immer so ein neueres Wunsch abzunehmen und vitaler zu werden. Das kann

man sicherlich auch in so einer Situation für Organisationen vergleichen. Immer in dem

Rahmen, die sie auch haben.

Ja, manche Dinge kann man gar nicht so leicht verändern an den Rahmenbedingungen. Aber

man kann sich intern anders auf Dinge einstellen oder auch andere Gewichtungen vornehmen,

andere strategische Setzungen vornehmen. Und das verändert auch Dinge.

Und natürlich ist das nicht so einfach, sich so neu erfinden zu müssen. Aber vielleicht ist es auch

eine gute Situation, sich mal so sehr auf sich zurück zu besinnen und auf den Ursprung des

eigenen Tuns oder auch auf die Kernkompetenzen, auf das, was man wirklich gut kann und

vielleicht auch noch gar nicht an Potenzialen gehoben hat und zu gucken, dass man da eben

eine neue Richtung geht. Das ist auf jeden Fall, glaube ich, ein positiver Zugang auch zu einem

Denken, was im neuen Jahr auch kommen wird.

Und machen wir uns nichts vor. Viele der Krisen, die wir jetzt haben und viele der Dinge, die uns

belasten, schleppen wir auch ins neue Jahr. Das heißt, wir müssen unsere eigene Einstellung

auch ändern.

Wir müssen unsere eigene Sichtweise auf Dinge ändern, weil wir wissen, so schnell gibt es

bestimmte Rahmenbedingungen nicht, die sich dann ins Positive verändern. Wenn es so ist,

hurra, dann ist das ja ein bisschen entlastend. Aber man kann ja auch sagen, okay, wir wissen,

bestimmte Dinge gehen jetzt erst mal so weiter oder werden nicht so schnell verschwinden.

Also setzen wir doch dem etwas entgegen. Setzen wir doch neue Ideen dem entgegen oder

versuchen wir einfach, neue Dinge auszuprobieren und Dinge auch anders zu machen. Dann ist

das ja schon mal ein positiver Erstgedanke fürs neue Jahr.

Und klar, man muss es dann auch machen. Das ist zwar mittlerweile so ein blödes,

abgetroschenes Wort auch, aber tatsächlich kann man eben auch etliches tun und muss sich

den Gegebenheiten nicht ergeben.

[Sprecher 2]

Das finde ich ganz spannend, dass du das so sagst, weil gefühlt das Wort Selbstwirksamkeit

eines ist, dass in den letzten Wochen sehr viel auch so in unserer Redaktion und bei uns im

Team und auch in den Texten, die wir selbst geschrieben haben, die unsere Autorinnen

geschrieben haben, einfach sehr häufig vorkam. Also ich glaube auch, dass Kulturarbeit und

gerade im öffentlichen Kulturbereich sehr lange bestimmt war von eigentlich relativ wenig

Selbstwirksamkeit, weil man immer diesen Strukturen unterlegen war. Und das natürlich auch

so ein negatives Gefühl gibt.

Also wenn ich das Gefühl habe, ich bin eigentlich vielleicht unzufrieden mit meiner Situation, in

welcher Hinsicht auch immer, aber ich habe das Gefühl, ich kann daran nichts verändern und

ich bin dem ausgeliefert, dann ist das ja auch eine ganz schlechte Arbeitsvoraussetzung. Dann

macht man es vielleicht vor sich hin, aber so richtig zufrieden stellt es ja nicht. Und die Frage,

sieht man etwas als Selbstwirksamkeit, kann man also Veränderungen selbst in die Hand

nehmen, ist, glaube ich, eine total relevante auch in solchen Situationen der Veränderungen

und die Frage, wie man eben auf diese Veränderungen auch schaut.

Also ob man eben versucht, sie auszusitzen in der Hoffnung, dass es weggeht, was, glaube ich,

bei den meisten Themen, über die wir im Moment sprechen, nicht passieren wird. Also sei es

eben das Thema Klimakrise, sei es das Thema gesellschaftlicher Wandel, politische Entwicklung.

Das wird einfach auch 2026 nicht vorbeigehen.

Das wird auch bis 2030 wahrscheinlich nicht vorbeigegangen sein. Von daher ist Aussitzen,

finde ich, keine Option. Aber eben selbstwirksam und selbstbestimmt Wege zu finden, damit

umzugehen, gibt dem Ganzen ja auch neuen Schwung, gibt ja auch neue Energie, wenn ich aus

so einer Perspektive da rangehe.

Von daher ist es, glaube ich, kein Zufall, dass das auch in letzter Zeit relativ häufig bei uns

aufkam, weil wir uns natürlich auch sehr stark mit Bereichen beschäftigt haben, auch

redaktionell, in denen das vorkam. Also nämlich unser letztes Magazin, über dessen Thema wir

ja heute auch sprechen wollen. Und auch in der letzten Podcast-Folge mit Oliver Thewes-

Schünzel vom Institut für kulturelle Teilhabeforschung ging es ja darum, wie man eigentlich

diese unsichtbaren Spielregeln und Mechanismen des Arbeitens im Kulturbetrieb erkennen

und selbstwirksam für sich verändern kann oder sich dessen bewusst werden kann.

[Sprecher 1]

Es ist ja eine Binsenweisheit, dass Veränderung immer ist. Und vielen ist das aber gar nicht

bewusst. Und natürlich nimmt man massive, große Veränderungen ganz anders wahr als

kleine.

Und dabei ist es aber eigentlich so interessant, eben auch zu schauen, wo sich Dinge auch

verändern. Jedes soziale System ändert sich schon, wenn es Veränderungen in der

Zusammenstellung gibt. Unser Team hat sich dieses Jahr auch mehrfach verändert.

Und jedes Mal, entweder indem jemand erstmal, auch wenn es auch manchmal temporär ist,

rausgeht oder sich auch beruflich weiterentwickelt oder jemand Neues kommt, das hat ja

fundamentale Veränderungen für das Team. Und dessen muss man sich auch bewusst sein.

Und die Frage ist halt, lasse ich mich verändern oder verändere ich es selber?

Also komme ich da selber auch in Aktivität und habe die Hefte des Handelns so in der Hand und

steuere das auch und gucke auch, dass ich diese Entwicklung für mich auch beeinflussen kann.

Und da gibt es ganz viele Dinge, die Veränderung nach sich ziehen können, die manchmal ganz

kleine, einfach nur kleine Moves sind oder kleine Prozessschritte, die verändert werden oder

was auch immer. Oder Achtsamkeiten, die man verstärkt.

Und das kann auch große Wirkungen haben. Also man muss nicht immer auf die großen

Veränderungen gucken, sondern kann auch wirklich gute Dinge voranbringen, indem man im

Kleinen ändert oder eben Anstöße gibt, die viele, viele Dinge nach sich ziehen, die eben dann

auch sehr umfassende Veränderungen mit sich bringen können. Also von daher, wenn man

immer sagt, ja, Veränderungsdruck oder so, der ist eigentlich immer da.

Es wäre schrecklich, wenn alles einfach nur still steht und bestehen bleibt. Und das tut es ja

auch nicht. Und jede noch so kleine Intervention in ein System bringt Veränderungen mit sich.

Die Frage ist nur, nehme ich es wahr und steuere es bewusst oder gehe ich aktiv damit um oder

lasse ich es mit mir geschehen? Das ist halt die Frage. Auch wenn Teams intern, wenn man

sagt, die Laune ist schlechter geworden oder das Team funktioniert nicht mehr, dann hat es

einfach damit zu tun, dass sich Dinge verändert haben, die man nicht beachtet hat oder dass

man Dinge zugelassen hat oder dass man zugelassen hat.

Das ist ja auch so dieser große Pessimismus, der so überall ist, dass man sich den eben auch

hingegeben hat, nicht geguckt hat, wo sind positive Dinge oder wo sind Dinge, die man

gestalten oder beeinflussen kann.

[Sprecher 2]

Naja, und gleichzeitig dürfen wir aber auch nicht kleinreden, dass all das, was im Moment

passiert, natürlich auch Negatives mit sich bringt. Ganz klar. Also wenn Budgets gekürzt

werden, Projekte nicht stattfinden können, Stellen gestrichen werden oder Aufträge gestrichen

werden, dann ist das ja durchaus negativ.

Vor allem auf der individuellen Ebene für die für die jeweiligen Kulturschaffenden vielleicht

noch stärker oder wahrscheinlich noch stärker auf der individuellen als auf der der

Organisationen. Also klar ist es für die Organisationen nicht gut, wenn sie auch Projekte nicht

umsetzen können. Aber es gefährdet nicht die Organisation.

Wohl aber im schlimmsten Fall den Karriereweg oder die finanzielle Situation der Personen, die

davon betroffen sind. Und das sollen wir natürlich auf gar keinen Fall kleinreden.

[Sprecher 1]

Nicht nur das, sondern es kann richtig auch Dinge zerstören. Und das, was wir am Jahresende

erleben, ist halt wirklich eine sehr eigenartige Entwicklung, wenn man sieht, dass über Monate

Haushalte eingefroren waren, Mittel nicht freigegeben waren und plötzlich man in

Einrichtungen auch sieht, dass da Mittel aufploppen, die man dann wiederum völlig hysterisch

ausgeben und irgendwie verwenden muss. Und auch will, na klar, will man die Mittel auch noch

nutzen.

Aber gleichzeitig bedeutet das, dass man viele Dinge, die man für eine strategische Entwicklung

oder überhaupt für eine Weiterentwicklung gebraucht hätte in dem Jahr nicht hat nutzen

können. Und das ist so fatal. Und dass man dann eben auch am Jahresende dasteht und damit

nichts mehr im schlechtesten Fall im neuen Jahr anfangen kann, weil man vielleicht sogar schon

wieder mit der Einstellung ins neue Jahr gehen muss.

Wer weiß, was mit dem Haushalt ist und ob es schon wieder eine Haushaltssperre gibt oder

nicht. Und das ist nicht nur frustrierend, sondern das schneidet auch für etliche Leute, die an

der ganzen Wertschöpfungskette auch sind und an der ganzen Prozesskette sind, wirklich

Wege ab. Und das betrifft natürlich vor allem viele Freie, viele projektorientiert Arbeitende.

Und das frustriert auch extrem. Und natürlich kann man auch sagen, Mensch, wenn man über

die letzten Jahre guckt, ist so vieles additiv dazugekommen. Aber es hilft den Leuten ja jetzt

nicht.

Und es bietet auch keine Perspektive, weil sie natürlich jetzt nicht sagen, na ja, dann beantrage

ich halt jetzt im nächsten Jahr. Also da weiß auch noch gar keiner, wie das aussieht. Also das ist

schon extrem schwierig und auch für Einzelpersonen oder auch für Projekte katastrophal.

[Sprecher 2]

Und gleichzeitig haben wir aber festgestellt, dass unsere redaktionellen Inhalte, die sich mit

Karrierewegen beschäftigen, in diesem Jahr nicht so gut rezipiert wurden wie in den Jahren

davor. Also zumindest muss man immer sagen, soweit wir das mitbekommen. Denn

grundsätzlich, liebe Hörende, liebe LeserInnen, seid ihr ja eher Kommentar- und

Rückmeldungsfaul, was unsere Inhalte angeht.

Also wir wissen durchaus, dass es gelesen wird. Aber die aktiven Rückmeldungen sind

schwächer ausgefallen als in den Vorjahren. Und das finde ich schon erstaunlich, weil ja das

Thema Karriere, Arbeitsmarkt, welche beruflichen Möglichkeiten gibt es, gerade in Zeiten, in

denen Budgets gekürzt werden, weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, ja eigentlich

gefühlt wieder größer wird oder für viele Menschen vielleicht dringlicher ist als es war.

Und wir haben ja auch festgestellt, dass in diesem Jahr sich die Arbeitsmarktentwicklung viel

schwieriger inzwischen voraussagen lässt, weil wir in manchen Bereichen durchaus von einem

Fachkräftemangel sprechen, während es in anderen Bereichen dann doch wieder jetzt stärker

zu einem Arbeitgebermarkt wird, weil einfach die Anzahl an Stellen, an freien Stellen sinkt und

damit an beruflichen Möglichkeiten. Und trotzdem ist es, ich weiß nicht woran es liegt, ob es

daran liegt, dass allgemein und das sieht man ja auch irgendwie in der Breite, so eine

Verdrossenheit da ist, was eben auch das Kommentieren, vielleicht auch das Rezipieren von

Inhalten angeht, dass man sich irgendwie auch so ein bisschen abschottet, um sich nicht

ständig mit Negativem auseinandersetzen zu müssen.

Das könnte ich mir gut vorstellen. Aber trotzdem ist es ja für uns auch, finde ich, eine

interessante Erkenntnis, dass Dinge, die einfach vor wenigen Jahren, für die wir noch sehr viel

Rückmeldung bekommen haben, einfach das schon ein bisschen zurückgegangen ist, obwohl

die Relevanz ja nicht weniger geworden ist.

[Sprecher 1]

Nee, aber es gibt sicherlich einige Einflussfaktoren. Im schlimmsten Fall könnte man

konstatieren, dass keiner mehr Lust hat, im Kulturbetrieb zu arbeiten. Das wäre das

Schlimmste.

Andererseits muss man sehen, dass wir wirklich in geburtenschwachen Jahrgängen sind. Das

heißt, Absolventinnen und Absolventen werden erst mal von der Anzahl her weniger. Das führt

ja auch in der Hochschullandschaft zu einigen Diskussionen, die spannend sind, wo sich das

hinbewegen wird, gerade wenn es darum geht, was die Ausleistung von Hochschulen, von

Studiengängen und Ähnliches betrifft und vielleicht auch die Zusammenlegung sogar von

Einrichtungen oder noch Profilschärfung.

Dann sind eben auch in den letzten Jahren, und das ist ja nichts, was plötzlich eintritt, aber das

ist etwas, was sich sozusagen dynamisch dann aufbaut, und die ganzen Skandale und

Entwicklungen im Kulturbereich, die es so gab, Diskussionen über unzufriedene Mitarbeitende,

eigentümliche Gepflogenheiten an Häusern usw., die führen natürlich auch über die Zeit dazu,

dass Menschen sich sukzessive verabschieden und dann tatsächlich aussteigen.

Und dann merkt man, dass dann halt Lücken entstehen. Umgekehrt ist es nach wie vor so, es

gibt gute Beispiele, es gibt sehr gute Beispiele, es gibt Beispiele von Einrichtungen, die sich auf

den Weg dazu machen, aber wenn man so in der Breite guckt, ist nach wie vor das

Personalthema noch kein strategisch verankertes Thema. Und das ist eigentlich eine

Katastrophe.

Also ich verstehe das gar nicht, dass man das nicht wirklich klarer erkennt. Jetzt zeigt sich in

manchen Bereichen, wo es auch gar nicht so einfach zu lösen ist, nämlich zum Beispiel im

ganzen handwerklich-technischen Bereich, weil eben umgekehrt auch bei den ganzen

Handwerksbetrieben und so Leute fehlen und auch dort händeringend Leute gesucht werden.

Und das natürlich auch im Kulturbereich so ist, dass solche Stellen immer weniger besetzt

werden können oder man auch länger braucht, um sie zu besetzen.

Aber das zeigt sich auch in vielen anderen Sachen. Wir hatten ja gerade im Zuge unseres

Podcasts oder auch Magazins, wenn es um die Vermittlung geht, gesehen, dass da nach wie vor

prekäre kurzfristige Arbeitsverhältnisse so sind. Bei vielen Einrichtungen sehe ich nach wie vor,

wenn sie Stellen besetzen, ganz viele Dinge, die da nicht beachtet werden.

Bei vielen Einrichtungen ist Onboarding nach wie vor kein Thema. Man muss es ja auch nicht

englisch bezeichnen, aber es geht einfach darum, wirklich den Weg von Menschen in die eigene

Organisation so zu gestalten, dass die Leute auch sehr schnell ins Arbeiten kommen, sehr

schnell sich in die Strukturen einfinden können, sehr schnell auch das Besondere im

Kulturbetrieb verstehen. Ich habe bei verschiedenen Tagungen auch immer wieder gehört,

dass es Quereinsteiger, Quereinsteigerinnen gab, die dann trotzdem den Kulturbetrieb wieder

den Rücken gekehrt haben, weil sie sich die Arbeitssituation im Kulturbetrieb ganz anders

vorgestellt hatten.

Und da verstehe ich überhaupt nicht, warum Kultureinrichtungen diesen Menschen nicht

helfen, sich erst mal stärker zurechtzufinden, schneller zurechtzufinden in den Bereichen und

auch die Unterschiede mal hervorzuheben und die vielen Freiheiten und positiven Aspekte des

Arbeitens in der Kultur auch mitbenennen. Klar gibt es auch manche Nachteile, wenn es darum

geht, dass bestimmte technologische Entwicklungen vielleicht noch nicht so weit sind wie in der

Wirtschaft, aber das muss ja trotzdem kein Grund sein, dann da auszusteigen, aber dass man

aufzeigt, wie man gemeinsam Dinge dann weiterentwickeln und vorantreiben will und das bis

hin eben auch, dass man wirklich mehr dafür tun muss, was ein angenehmes Miteinander ist,

was das Thema Gleichberechtigung, Gleichstellung betrifft. Diversität ist ein Riesenthema, da

sind wir ja genau bei unserem Themenkomplex, soziale Nachhaltigkeit, alles Themen, die damit

reinspielen und die eben alle auch nicht neu sind, aber für viele, viele Einrichtungen nicht auf

der Agenda sind oder sie haben natürlich, was ich total nachvollziehen kann, auch

Schwierigkeiten mit den Themen, weil die Frage ist, wie geht man da heran, wie setzt man das

um, wie stellt man sich da auf und das hat ja auch mit Zeit und eben auch mit Geld zu tun.

[Sprecher 2]

Ja und das ist genau, also das ist genau, finde ich, ein total wichtiger Punkt, den du sagst, denn

das Magazin beleuchtet ja die Frage oder verschiedene Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit im

Kulturbereich, also zum einen in Hinblick auf verschiedene Menschen, viele marginalisierte

Gruppen, also es geht um Menschen mit Behinderungen, es geht um Menschen mit

Migrationshintergrund, es geht um Geschlechterfragen, es geht um Klassismus, also ganz viele

verschiedene Themen und ich sage mal, naturgemäß, wenn man das so möchte, ist das

Magazin sehr moralisch.

Ich glaube, das kann man schon sagen, weil das natürlich irgendwo auch ein moralisches

Thema ist, zu sagen, es sollen einerseits überhaupt erst mal Zugänge zur Kultur als Arbeitsfeld

geschaffen werden und dann eben auch Arbeitsbedingungen verbessert werden, denn sie sind

ja nun mal vielerorts immer noch sehr schlecht, aber so manches Mal, wenn ich die Texte las,

ich habe ja auch viele Interviews selber geführt, das Editorial geschrieben, habe ich mich schon

gefragt, muss man das denn so moralisieren, also weil das einfach etwas ist, also was mir

natürlich persönlich sehr nahe ist, ja, ich finde das wahnsinnig wichtig und ich finde auch, sich

klarzumachen, dass eben nicht alle, die in der Kultur arbeiten wollen, das auch können, dass

das ein Problem ist, über das wir sehr selten sprechen, also es ist zumindest so meine

Wahrnehmung, dass wir darüber selten sprechen und nicht, weil vielleicht jemand nicht

qualifiziert ist oder nicht talentiert ist oder was auch immer, sondern weil eben es strukturelle

Barrieren gibt, die diesen Zugang und diese Möglichkeiten verhindern, aber ich sage mal, aus

einer sehr pessimistisch-pragmatisch-neoliberalen Perspektive könnte man ja auch einfach

sagen, so what.

[Sprecher 1]

Also ich glaube, jetzt wo du das so erzählst, was mir da so in den Kopf kommt, ist, dass man als

Einrichtung irgendwie immer über Einzelfälle nachdenkt und nicht über eine gesellschaftliche

Weiterentwicklung, die das obsolet macht, ja, also es ist immer sozusagen die Einzelsituation

der einzelnen Einrichtung oder bezogen auf eine einzelne Person und nie als generelle

Einstellung, dass man da eben einfach was tun möchte und da sicherlich auch Freiheiten hat.

Natürlich gibt es vielleicht auch manche Beschränkungen, die das nicht so einfach machen,

aber ich glaube, dass ein Grund sein könnte, dass man immer zu stark drauf schaut, man

macht das für einzelne wenige und macht es nicht für die Gesellschaft insgesamt.

[Sprecher 2]

Naja, oder was heißt nicht mal nur für die Gesellschaft insgesamt, sondern für die Organisation

insgesamt. Also ich glaube, ich gebe dir recht, also was ich meinte mit so what, man könnte ja

auch sagen, naja, aber Kulturorganisationen haben in den letzten 80 Jahren auch ohne das

funktioniert, ja, also auch ohne dass wir jetzt besonders auf Zugänge achten. Es gab immer

genug Menschen, die in der Kultur arbeiten wollen und wir haben auch immer gute Kultur

gemacht und dann eben, warum sollen wir jetzt für einzelne oder wir als einzelne

Organisationen können das gar nicht für einzelne so stark ändern und vielleicht ist es ja aus

Perspektive der Organisation gar nicht notwendig, weil es hat ja gut funktioniert.

Und ich finde es spannend, also das ist auch was, was durchaus in den Interviews rauskam,

dass eben diese Denke, dass man tut das nicht für sich als Organisation, sondern man tut das

für die Leute und dass es deswegen eben moralisch ist, weil man es für die Leute tut, gefühlt

sehr stark vorherrscht. Also du bist ja ein Geschäftsführer eines Unternehmens, jetzt kann ich ja

dich mal fragen, was tut es denn für die Organisation, also warum ist es denn zum Beispiel,

wenn wir jetzt bei KMN darüber sprechen würden, warum wäre das denn aus einer

organisatorischen oder unternehmerischen Sicht wäre trotzdem soziale Nachhaltigkeit etwas,

wo du sagst, da muss man trotzdem rein investieren, auch jenseits der Frage, ob es jetzt für

einzelne Personen gut ist, sondern eben für die Organisation.

[Sprecher 2]

Es kommt ja darauf an, welchen Bereich wir einfach anschauen. Also wenn ich jetzt darüber

nachdenke, dass ich nicht nur profitorientiert arbeiten will, sondern dass es auch Arbeitsplätze

schaffen soll, die auskömmlich sind. Das ist schon mal eine große Herausforderung und erst

recht im Kulturbetrieb.

Gerade als Dienstleister im Kulturbetrieb ist man nicht immer in der Situation, dass Leute

verstehen, warum man plötzlich für sein Dienstleistungsgeld möchte. Weil man ja irgendwie

gleichgesetzt wird mit dem öffentlichen Kulturbetrieb, der ja Gelder kriegt. Und da sind wir

auch bei einem interessanten Umkehrschluss.

Wenn ich nicht als Organisation darüber nachdenke, wie ich mich diesem Thema nähere, dann

ist für mich auch die Frage, warum sollen denn ausgerechnet all die anderen Personen, die

ausgeschlossen sind, den Kulturbetrieb finanzieren? Da sind wir nämlich bei anderen Themen,

die wir auch schon hatten, zum Beispiel beim Fachverband, wo es eben darum geht, was hat

denn Relevanz für Menschen und was hat keine Relevanz? Da, glaube ich, kann man ganz, ganz

lange spannende Themen besprechen.

Aber als Unternehmen für mich ist ja erst mal wichtig, ich möchte ja, dass meine

Mitarbeitenden auch am Erfolg des Unternehmens teilhaben, dass sie auch ihre Familien

betreuen können, dass sie eben nicht darüber nachdenken müssen, will ich eine Familie

gründen oder will ich arbeiten? Das ist für mich überhaupt keine Frage. Da mag meine

Ostprägung irgendwie hilfreich sein, weil ich einfach nur Frauen kenne, die nur gearbeitet

haben, meine Mutter auch, 44 Jahre im Stück, und gefühlt fast schon viel mehr gearbeitet hat

und meinem Vater mehr Care-Arbeit geleistet hat in der Familie.

Aber ich verstehe, also für mich ist es überhaupt keine Frage, das eine oder das andere machen

zu dürfen oder zu können, sondern das muss ich einfach gut miteinander vereinbaren lassen.

Und es ist auch völlig nachvollziehbar für mich, wir haben ja ganz viele Frauen, auch die Mütter

sind, oder generell auch eine ganz spannende Familienstruktur bei uns, wir haben ja viel

Nachwuchs in unserem kleinen Unternehmen, ist für mich überhaupt keine Frage, ob das die

Arbeitsabläufe stören könnte oder irgendwelche Probleme mit sich bringt. Ja, bringt es mit sich,

aber andererseits, wenn es keinen Nachwuchs mehr gibt, brauchen wir auch nicht mehr über

irgendwelche Dienstleistungen in der Zukunft zu reden.

Und daher ist es für mich total wichtig zu gucken, wie ich da einen sehr guten Ausgleich

zwischen den Bedürfnissen der einzelnen Menschen und der einzelnen Familienmitglieder, die

bei uns beschäftigt sind, finde, und den ansprechenden Bedürfnissen der Firma. Und die lassen

sich ja zum Glück bei uns auch sehr gut miteinander kombinieren. Klar ist auch immer, dass,

wenn man das Unternehmen weiterentwickelt, natürlich auch versucht, alle daran, also es ist

für mich zumindest klar, alle daran auch teilhaben zu lassen.

Und was gibt es für weitere Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit? Gerade wenn ich jetzt ein

Beschäftigungsverhältnis sehe, was auch längerfristig bedeutet, da geht es ja auch um

Sicherheit, auch um Sicherheit des Alters. Dass ich mich da als Unternehmer anders kümmere

für meine Sachen, ist ja meine Sache.

Aber die muss ich euch ja nicht aufdrücken. Und jeder hat ja seinen individuellen Weg. Und ich

glaube auch, zumindest habe ich das Gefühl, dass wir uns eben auch viel über individuelle,

auch familiäre Sachen austauschen, dass wir da einen guten Ausgleich miteinander finden.

[Sprecher 1]

Wobei man nun sagen muss, also wir sind natürlich ein kleines Unternehmen, nicht

vergleichbar mit, weiß ich nicht, einem dreisparten Theaterhaus mit mehreren hundert

Mitarbeitenden. Und bei uns sind ja diese familiären Strukturen auch als solche gewachsen,

wenn du so willst. Das heißt, also wir bauen uns jetzt quasi nicht komplett strukturell um,

gerade um das zu ermöglichen.

[Sprecher 2]

Das war aber auch noch nie ein Hindernis.

[Sprecher 1]

Nein, aber man muss natürlich sagen, wir sind ein komplett weißes, komplett ostdeutsches,

gesundes Team. Ein sehr, glaube ich, in unseren Einstellungen und Meinungen auch durchaus

recht homogenes Team. Also das muss man auch sagen.

Und natürlich könnte man auch bei uns kritisieren und sagen, wo sind denn die Minderheiten,

außer vielleicht den Ostdeutschen, quasi bei uns in der Firma, wenn wir das jetzt angehen

würden. Und ich will nicht sagen, dass wir es nicht wollen. Es war bisher einfach, ehrlich gesagt,

kein Thema, weil wir auch gar nicht so oft Stellen besetzen.

Müssten wir sicherlich auch an einigen Stellschrauben arbeiten. Aber ich finde es trotzdem

spannend, was du gerade gesagt hast. Wir würden das auch für die Organisation tun.

Denn wenn wir jetzt mal beim Thema Frauen bleiben und Frauen sind ja da schon, sagen wir,

eine Gruppe, mit der es in der Kultur im Vergleich zu anderen noch einigermaßen gut geht.

Also wenn wir da in anderen Branchen schauen, dann ist es vielleicht nochmal ganz anders.

Aber einer der Gründe, warum zum Beispiel Familienfreundlichkeit bei uns so ein großes

Thema ist, ist ja auch, weil du möchtest, dass wir hier arbeiten möchten.

Also da geht es ja durchaus, also ich sage mal, um eine besten Auslese, wenn du so möchtest.

Das Wort ist mir eigentlich nicht sehr nahe immer. Aber im Prinzip zu sagen, wenn du

Arbeitsstrukturen hast, die mit dem Leben von gewissen Menschen nicht zusammenpassen,

dann hast du halt vielleicht auch keine besten Auslese mehr, weil die besten vielleicht durch

andere Gründe gehindert werden, bei dir zu arbeiten.

Die dann eben zum Beispiel sind, die Bezahlung ist zu schlecht oder sie, es ist so unzugänglich

auf verschiedenen Wegen. Wenn ich an das Thema zum Beispiel Menschen mit Behinderungen

denke, da geht es im Magazin beispielsweise um taube Menschen. Da brauchst du natürlich

ganz andere strukturelle Voraussetzungen, um eine Kommunikation zu ermöglichen.

Oder sagen wir an Menschen, die mobilitätseingeschränkt sind. Allein der Weg zu unserem

Büro ist eine riesige steile Treppe. Das wäre schon ein großes Problem.

Aber trotzdem ist ja im Prinzip, oder was dahinter steckt, ist ja zu sagen, die Besten, die für eine

Stelle geeignet sind, sind ja nicht automatisch die, denen sich keine Barrieren in den Weg

stellen. Also die, die quasi dies am leichtesten haben, das sind ja nicht automatisch die Besten,

sondern solange es Barrieren gibt, gibt es vielleicht Menschen da draußen, die besser geeignet

sind für eine Stelle, sich darauf aber nicht bewerben oder schon überhaupt keinen Zugang in

welcher Form auch immer dazu haben, weil es eben diese Barrieren gibt, die ihnen ja in den

Weg gestellt werden.

[Sprecher 2]

Ja, und umgekehrt kannst du auch nicht alle Barrieren aus dem Weg räumen. Das ist eben auch

eine Erkenntnis. Wir waren schon mal viel diverser.

Wir hatten auch Leute aus anderen Kulturkreisen im Unternehmen beschäftigt. Das war dann

halt temporär. Da haben sie auch Dinge verändert, weil die dann wieder woanders

hingegangen sind.

Und klar, so wie du das jetzt beschreibst, dass es eine homogene, weiße Gruppe ist, das ist gar

nicht gewollt. Das ist gar nicht gewollt. Und wir haben auch schon Schwerbehinderte

beschäftigt bei unserem Unternehmen.

Und das ist aber für so ein kleines Unternehmen, ergeben sich daraus auch manchmal

unüberwindbare Hürden. Also wenn ich mir jetzt überlege, dass ich, vielleicht könnte man, also

mobilitätsbehinderte Menschen wären, glaube ich, für uns kein Problem, die anzustellen. Weil

wir sind hier gewohnt, im Homeoffice zu arbeiten.

Und wir haben auch Mitarbeitende, die weit, weit weg von uns wohnen und leben und es

trotzdem machen. Also da hätte ich auch überhaupt gar keinen Vorbehalt. Gar nicht.

Das wäre gar kein Problem, wenn sie ins Unternehmen kommen müssten, schon, weil dann

müsste man wirklich für sich auch die geeigneten Räumlichkeiten überhaupt erst mal finden

und diese Voraussetzungen schaffen, was natürlich wieder Investitionen nach sich zieht, die für

so ein kleines Unternehmen natürlich nicht so einfach zu stemmen sind. Wo es viel größere

Probleme für uns gibt, ist, wir haben zwar ein englischsprachiges Portal und ein

deutschsprachiges Portal, aber das deutschsprachige Portal, da ist eben leider eine

Voraussetzung, dass man wirklich auch diese Sprache beherrscht. Da kann ich gar keine

Abstriche machen oder nur wenige und das ist schon auf jeden Fall ein Hinderungsgrund oder

eine Barriere.

[Sprecher 1]

Wobei man dann ja schauen könnte, in den nächsten Jahren, ob das zum Beispiel ist, mit KI, mit

Textbearbeitungstools und so weiter und so fort. Aber ich stimme dir zu, und das gilt ja auch

für Kulturangebote, also die Sprachbarriere kann ja dann in mehrere Richtungen sein. Also

wenn man deutsche Angebote macht und vielleicht Menschen hat, die nicht so gut Deutsch

sprechen, also Mitarbeitende, gleichzeitig aber natürlich auch Angebote in anderen Sprachen

und man hat die Mitarbeitenden nicht, ist natürlich immer eine Hürde, für die es aber sicherlich

Lösungen gibt, sage ich mal.

Aber klar, allein das Beispiel macht ja schon deutlich, im Zweifelsfall vergrößert es den internen

Arbeitsaufwand und verringert damit den Output und das ist natürlich was, worüber man

nachdenken muss, ob man damit umgehen kann und wenn ja, wie.

[Sprecher 2]

Und man muss immer dazusehen, dass ein Unternehmen eben, das ist eine bewusste

unternehmerische Entscheidung, also für ein kleines Unternehmen nochmal ganz anders als

für große, weil du in großen Unternehmen das anders kompensieren könntest, aber für kleine

Unternehmen ist das wirklich, kann das existenzentscheidend sein. Und das macht es dann so

schwierig bei allen Ansprüchen, die man hat und bei allen, was man auch thematisch nach

vorne bringt, wie er ja auch, wo man dann natürlich auch sagen muss, nicht alles, was wir

veröffentlichen, kommentieren, fordern, zur Diskussion stellen, erfüllen wir selbst. Und dem

stellen wir uns auch.

[Sprecher 1]

Aber ich glaube, es zeigt eben ganz gut, dass, oder worum es mir jetzt ging, war ja primär zu

sagen, man sollte sich mit dem Thema eben nicht nur beschäftigen für die Leute, sondern auch

für die Organisationen, weil es ja dennoch ein Mehrwert ist und natürlich hast du, es erzeugt

immer Reibung, wenn verschiedene Arten von Menschen zusammenarbeiten und das kann ja

jegliche Art von verschiedenen Arten von Menschen, sag ich mal, sein, das ist ja schon

Menschen mit oder ohne Kinder oder so, aber diese Reibung, die kann ja durchaus auch

fruchtbar sein, wenn man irgendwie darüber in Aushandlungsprozesse und neue Perspektiven

kommt. Und darum geht es eben auch in dem Magazin anhand von verschiedenen Beispielen

darum, dass eben diese neuen Perspektiven dann auch quasi in die kulturellen Produkte, in den

Output wiederum einfließen und den auch verändern. Und verändern heißt ja dann eben nicht

schlechter machen, sondern verändern.

Und ich weiß in dem Interview mit Anna Zosig und Julia Jost, da ging es auch so ein bisschen

um die Frage eher unternehmerische Kulturbereiche und Veranstaltungswirtschaft und der

öffentliche Kulturbereich und Frau Jost von FORWARD, der Bundesvereinigung für die

Veranstaltungswirtschaft, sie sagte eben auch, naja, also für uns ist das Wissen über bestimmte

beispielsweise Beeinträchtigungen, Diskriminierungen in Unternehmen zu haben, bedeutet

auch besser auf Auftraggeber eingehen zu können. Wenn eben Veranstaltungen barrierefrei

sein sollen, dann hilft es jemandem im Team zu haben, der sich, und zwar aus eigener

Erfahrung, auch damit auskennt und sowas mitdenken kann.

Das ist einfach wirklich ein unternehmerischer Vorteil und den kann man ja in Bezug auf den

öffentlichen Kulturbereich dann genauso auf das Publikum übertragen und sagen, im Prinzip

ist das Publikum, wenn wir so wollen, hier der Auftraggeber in diesem Vergleich und das

einzubeziehen, verbessert also auch das, was wir dem Publikum bieten können. Und das ist

vielleicht nicht, wie soll ich das sagen, qualitativ messbar, weil ja dann die Frage ist, welche

Qualitätskriterien lege ich an, aber wenn zum Beispiel eben ein Kriterium ist, dass

beispielsweise taube Schauspielende vielleicht dazu führen, dass auch mehr taube Menschen

ins Publikum kommen und damit wiederum kulturelle Teilhabe ermöglicht wird, dann ist das ja

eigentlich schon etwas, was die Kultureinrichtungen auch wollen sollten oder von dem man

annehmen würde, dass sie es wollen, weil ja die Diversität der Gesellschaft auch bedeutet, man

muss auch andere Publiker ansprechen und ich glaube, darüber brauchen wir uns auch nicht

reiten.

[Sprecher 2]

Nee, und man hat ja auch gesehen, gerade auch bei der Fachverbandstagung und den

Beispielen, die dort waren, es ist ja völlig irre zu denken, ich muss allen diesen Ansprüchen

gerecht werden und ich muss in allen Bereichen gleichzeitig Dinge leisten, sondern dort gab es

ja ganz explizit Beispiele, die sich eben nur auf eine bestimmte Gruppe hin orientiert haben und

gesagt haben, das ist unser Weg und mit denen arbeiten wir, das nehmen wir auch ernst, das

bereichert uns und ist auch ein neuer Weg für uns, davon lernen wir viel und wir entwickeln uns

da gemeinsam weiter und so ist das für uns im Unternehmen auch. Ich versuche auch immer

möglichst eben auch Menschen anzusprechen, die nicht so sind, wie wir jetzt schon im Team

und manchmal ist es ja auch so, das macht ja auch Teamdynamiken aus, dass man sich dann

schon irgendwo auch im ständigen Miteinander auch ein bisschen stärker angleicht, von daher

ist es ja auch immer gut, mal da Interventionen zu haben oder auch mal Veränderungen zu

haben, gerade weil das eben auch dazu führen kann, dass man gar nicht mehr vital ist als Team

und gar nicht mehr kreativ ist im Team und so weiter und da bringen neue Denkweisen ganz

andere Zugänge zu Themen immer gute Inputs.

[Sprecher 1]

Und ich glaube, der Satz ist auch ganz schön zu sagen, wenn man einmal etwas für etwas

sensibilisiert ist, dann wird man dafür nicht wieder unsensibel, also wenn man einmal etwas

bemerkt hat, kann man es nicht mehr nicht bemerken, will sagen, wenn man einmal

angefangen hat, sich zu überlegen, wie man Prozesse vielleicht anders gestaltet, im Hinblick

auf eine bestimmte marginalisierte Gruppe der Gesellschaft, gehen damit glaube ich immer

zumindest bis zu einem gewissen Maß auch dann das Denken an andere Gruppen mit oder

dann auch immer, wenn man mit anderen Gruppen in Kontakt kommt, dass man dann

automatisch überlegt, okay, wie können wir das, was wir schon verändert haben, jetzt auch für

diese adaptieren. Also es muss ja nicht alles auf einmal sein und man wirft jetzt anders um,

aber glaube ich, sich klarzumachen, dass soziale Nachhaltigkeit, mal davon abgesehen, dass

der Status quo und das zeigt die Magazinausgabe ganz gut, wirklich schlecht immer noch ist im

Kulturbereich, was die soziale Nachhaltigkeit angeht, also diese gleichen beruflichen

Möglichkeiten für alle Menschen im Prinzip überhaupt erstmal zu schaffen, aber dass das eben

auch wirklich den Unternehmen selbst, den Organisationen selbst zugute kommt und es eben

nicht nur darum geht, dass quasi jetzt die Mitarbeitenden es schön haben oder wie auch

immer, sondern dass es wirklich auch gut für die Organisationen ist.

Ich glaube, das finde ich ganz essentiell, dass wir dahin kommen, dass es eben nicht nur diese

moralische Debatte ist.

[Sprecher 2]

Ja, aber wie du sagst, wenn man anfängt, sich darauf einlässt, Erfahrungen sammelt, das

bereichert einen ja auch. Das bringt einen auch als Organisation weiter, bringt einen als Team

weiter. Wenn ich mich mit diesen Themen hier innerhalb des Unternehmens beschäftige, klar

sind manche Dinge einfach anstrengend, aber andererseits bilden sie mich ja auch wieder als

Führungskraft oder sprechen vielleicht Dinge in mir und meiner Persönlichkeit an, die ich eben

noch nicht so entwickelt habe und dann habe ich da eine Möglichkeit und habe ich da eine

Chance, auch was zu tun.

Und umgekehrt hilft es ja sogar auch, wenn man darüber publiziert, Dinge dazu veröffentlicht,

vielleicht auch dann die Chance zu haben, aus eigenem Erleben das machen zu können, was

viel authentischer ist.

[Sprecher 1]

Naja, und es geht ja wieder so ein bisschen zu dem, worüber wir am Anfang gesprochen haben.

Was ist die Perspektive da drauf? Also ist es etwas, das vielleicht sagen wir erstmal, die Art wie

ich Dinge sehe, stört und mich dann auch stört, weil ich mich irgendwie davon angegriffen

fühle, was glaube ich schon oft der Fall ist.

Und also gerade bei solchen Themen wie sozialer Nachhaltigkeit, wenn ich jetzt sage, wir haben

in dem Magazin werden viele verschiedene Studien genannt, so ganz verschiedene Aspekten

und eigentlich alle sind unbefriedigend, so, dann kann ich mir schon vorstellen, dass man als

Kulturschaffende, als Mitarbeitende einer Kulturinstitution erstmal so ein bisschen was von sich

stößt und sagt, naja, aber wir machen doch was oder wir geben uns doch Mühe. Also man

möchte sich natürlich immer ungerne vielleicht eingestehen, dass man selbst Teil des Problems

ist. Deswegen habe ich das auch so gesagt.

Also müssen wir halt über unser Team auch sagen, wir sind einfach ein sehr homogenes Team,

aber es sich dann doch einzugestehen und sich in die Perspektive von anderen zu versetzen,

bringt ja dann auch persönliche Weiterentwicklung. Also es führt ja dann dazu, dass ich über

Dinge vielleicht anders nachdenke, dass ich mich selbst vielleicht auch hinterfrage und das ist ja

auch total wichtig, dass man nicht nur durch die Welt geht und denkt, ich bin der Beste oder die

Beste und mache alles wunderbar und ich persönlich muss erstmal hier gar nichts ändern,

sondern dass man sich auch selbst hinterfragt und dass sich eben einfach halt die Welt auch

verändert und es ja auch nichts bringt sich irgendwie dem zu verweigern, aber von daher ist ja

eine Störung in welcher Hinsicht auch immer dann ja doch auch eben was Produktives und im

Prinzip die Erfahrung zu sagen, naja, was heißt es denn, wenn wir jetzt soziale Nachhaltigkeit

fördern und einfach mehr Leute Zugänge zu bekommen und es fängt ja auf allen Ebenen an.

Also in der Magazinausgabe geht es ja auch um die Hochschulen, um wer bekommt

Studienplätze, wie sind die Arbeitsbedingungen dann in der Wissenschaft, die sich ja wieder

darauf auswirken, wie werden Studierende ausgebildet, die später in die Kultur gehen und so

weiter und so fort, dass es am Ende vielleicht erstmal störend und schwierig ist, weil ich was

verändern muss, aber eben dann hoffentlich auch produktiv und ich meine, in dem Magazin ist

niemand, der sagt, wir haben das versucht und haben es dann wieder gelassen, weil es

irgendwie weil es dann doch nicht so war, ich meine vielleicht gibt es das auch und solche Leute

sagen es nicht öffentlich, das kann natürlich sein, aber im Prinzip ist es zumindest etwas, was

ich auch auf Tagungen oder so zu solchen Themen noch nie gehört habe, dass jemand gesagt

hätte, ja wir haben jetzt da unsere Strukturen geöffnet, aber am Ende haben wir das dann

wieder umgekehrt, weil wir wollten es dann doch lieber wieder so, wie es irgendwie vor 30, 40

Jahren war.

[Sprecher 2]

Was gar nicht funktionieren kann. Also ich glaube, wenn da wirklich Dinge sich verändern oder

man sich für Dinge öffnet, das wieder zu schließen oder zurückzuführen, das macht überhaupt

keinen Sinn. Also dann vergibt man sich ja selber einfach wirklich auch wieder

Entwicklungschancen.

Also man kann ja sagen, also es gibt bestimmte Barrieren, die man nicht überspringen konnte,

aber trotzdem lernst du ja immer auch bei der Beschäftigung damit, was für dich und kannst

vielleicht in einem anderen Bereich aber was ändern und da weitergehen, weil du merkst, du

kommst an einer Richtung nicht weiter.

[Sprecher 1]

Ja, ich meine gleichzeitig sehen wir jetzt ja schon, sagen wir in der breiteren Gesellschaft, ich

weiß nicht, wie das in den Kultureinrichtungen ist, aber es gibt ja schon so gewisse

Rückwärtsbewegungen oder Tendenzen, dass auch gewisse Freiheiten, gewisse Ansichten, also

ich sag mal Gleichberechtigung von Mann und Frau, Geschlechtsidentitäten, sexuelle Vorlieben,

also das alles, wo man gesagt hat, in den letzten 20 Jahren ist da viel passiert und zumindest in

gewissen gesellschaftlichen Bereichen gibt es da wieder ein Backlash und dass das zunimmt,

heißt ja, dass es durchaus Leute gibt, die sich da, wenn man so möchte, zurückentwickeln.

[Sprecher 2]

Was aber für mich ganz häufig damit zu tun hat, dass dahinter liegende Ängste nicht wirklich

erkannt und aufgearbeitet werden. Das ist für mich immer ein Thema, Befürchtungen oder

Vorbehalte gegenüber Veränderungen haben ja auch viel mit Ängsten zu tun und müssen gar

keine großen Themen sein, sondern es können ganz kleine Themen sein oder dass man nur

ankündigt, dass man sich verändern möchte. In einer Einrichtung kann ja schon viele, viele

Ängste mit sich bringen und vermeintlich einfache Lösungen oder Statements oder

Rückbesinnungen bieten da die Möglichkeit, sich davor zu bewahren, aber das hilft halt nicht.

Das bringt der Organisation nichts und es bringt auch meistens dem Menschen nichts, sondern

sich damit auseinanderzusetzen, was ist denn das, was mich eigentlich so dagegen wehren

lässt oder mich dagegen sterben lässt? Was sind denn wirklich Ängste? Sind die überhaupt

greifbar?

Sind die real? Kann man das an etwas festmachen? Wie kann man damit umgehen und das

auch auflösen?

Das ist, glaube ich, ein wichtiger Aspekt und das macht ja auch Veränderungsprozesse in

Organisationen so schwierig, aber auch so spannend. Also einfach auch zu gucken, wie kriegst

du einfach bestimmte Dinge aufgeschlossen und wie kannst du Menschen dazu bewegen, sich

eben wirklich im Sinn der Veränderung diesen Prozess mitzugeben.

[Sprecher 1]

Es ist immer psychologisch. Das ist ja auch was, was es spannend macht, weil wir ja immer alle

uns für so wahnsinnig rational halten, aber eigentlich sind wir das ja nicht und ja, genau wie du

sagst, unsere Ängste, aber ja auch unsere Sicherheiten und all das, das ist ja alles irgendwo

auch psychologisch begründet und oft wird ja auch Rationalität vorgeschoben, obwohl

eigentlich rationale Gründe gar nicht die wahren Gründe sind. Also genauso könnte man ja

sagen, rationale Gründe gegen soziale Nachhaltigkeit sind eben eigentlich vorgeschoben vor

Vorurteile, vor Ängste, wie du sagst, vor Befürchtungen, was ist mit meiner eigenen Position?

Werde ich hier in Frage gestellt?

Das ist natürlich ganz klar und genauso kann man eben andersrum auch sagen, naja, vielleicht

sind aber auch rationale Argumente für soziale Nachhaltigkeit in anderen Dingen, um

psychologischen Dingen, um Weltansichten und so weiter und so weiter begründet. Das ist

ganz klar, aber ich würde dir zustimmen, also Rechtsruck, Konservatismus, all das, ich will das

auf gar keinen Fall kleinreden, ich halte das für ein enormes Problem in unserer Gesellschaft,

aber es ist doch etwas, wo sich die Breite der Kultur, denke ich, nicht dahinter stellen würde.

Also vielleicht natürlich, vielleicht weiß man es nicht, vielleicht gibt es Theater, die sich gern

wieder auf die deutschen Klassiker stärker besinnen möchten oder was auch immer, Museen,

die eben dann doch vielleicht in den Regionalmuseen wieder die Größe Deutschlands mehr

besingen wollen oder was auch immer, also das natürlich als sehr überspitzte Beispiele.

Aber die Wahrnehmung, meine Wahrnehmung ist, Kultur möchte ja immer sehr offen sein und

sehr, wie du sagst, avantgardistisch, also liberal in Bezug auf Werte und Lebensweisen und

dann muss man das natürlich auch irgendwo nach innen vertreten.

[Sprecher 2]

Naja, wenn sie sich dessen bewusst wäre, dass sie das eben tatsächlich oft auch nicht ist und so

selbstkritisch wäre, wäre ja schon mal viel getan. Also das ist für mich immer diese Diskrepanz,

womit Kultur immer aufgeladen wird, wie wenig davon tatsächlich dann auch im Inneren davon

gelebt wird oder auch hochgehalten wird. Und es ist gar keine Frage, dass viele dieser Werte

und der Ansprüche, die man dort nach außen postuliert, sehr hoch sind und auch viele

Herausforderungen mit sich bringen, gar keine Frage, aber zumindest sich damit

auseinanderzusetzen, dass man dem auch nicht immer gerecht wird, wäre schon mal ein

Anfang.

[Sprecher 1]

Aber das ist ja total spannend, weil da, also ich sag mal, in meinem Kopf auch so zwei

Widersprüche aufeinanderprallen, weil man einerseits, wie du sagst, das Gefühl hat, es wird

immer gern viel vor sich hergetragen und es passiert wenig. Gleichzeitig habe ich aber, glaube

ich, noch nie jemanden aus dem Kulturbereich getroffene Person, die gesagt hätte, ach ja,

eigentlich finde ich das alles doof und mir ist das alles egal und ich will das nicht. Also ich finde,

im persönlichen Gespräch mit Leuten und auch nicht so, dass ich das Gefühl hätte, dass sie das

nur sagen, weil sie denken, dass ich das hören will, sondern dass das eigentlich schon diese

Werte irgendwie die meisten vertreten und dann fragt man sich ja immer, aber sind dann die,

an denen das quasi hängt, die, die man eben nicht trifft?

[Sprecher 2]

Ja, weil 100 Prozent bildet sich in allen Organisationen, auch in Kulturorganisationen, die ganze

Bandbreite der Gesellschaft.

[Sprecher 1]

Natürlich.

[Sprecher 2]

Und auch politisch. Das kann gar nicht anders sein. Das ist genauso wie man, also wie es völlig

lächerlich ist zu denken, dass es keine schwulen Männer im Fußball gibt.

[Sprecher 1]

Früher dachte man das.

[Sprecher 2]

Wenn du auf den Fußball guckst, das ist immer noch ein Tabuthema. Es gibt ganz wenige, die

sich wirklich da getraut haben, mit an die Öffentlichkeit zu gehen. Es gibt viele, die im

Nachhinein darüber sprechen, wie schwierig das persönlich war, damit umzugehen, dass man

das eben nicht offen ausleben konnte oder darüber reden konnte.

Und genauso ist es mit allen möglichen Ansichten, Vorbehalten, Vorurteilen, die es auch in

jedem Kulturbetrieb gibt. Und vielleicht hast du die gerade oder hast du die gerade nicht

getroffen. Für mich ist es tatsächlich so, das ist aber nur so eine kleine lustige oder vielleicht

auch nicht lustige Randnotiz meiner Künstlerkarriere.

Ich bin eben tatsächlich in Orchestern auch solche Leute getroffen, die das halt wirklich einfach

nur, also die mir das völlig uninspirierend rübergebracht haben, welche Einstellungen sie zu

ihrem Musikerdasein und zu ihrem Job haben. Und das hat mich damals dazu geführt zu sagen,

ne, also da möchte ich nicht arbeiten. Ja, weil ich ganz andere Vorstellungen davon hatte, wie

man in einem Orchester ist und was für einen Zugang zur Musik und zur Coolness und zu dem

ganzen Dasein man hat.

Das fand ich schon ziemlich ernüchternd. Das hat mich auch dazu geführt, dass ich meinen

vielen, vielen anderen Neugierigkeiten und Entdeckungen und Neibungen dann doch nicht

mehr nachgegeben habe.

[Sprecher 1]

Und ich glaube, es ist schon so, gerade wenn man auch mit Führungspersonen spricht, die

Veränderungsprozesse in welcher Richtung auch immer in Gang setzen wollten, die berichten

ja auch immer davon, dass es Mitarbeitende gibt, die dem entgegenstehen und die das nicht

wollen.

[Sprecher 2]

Was auch, finde ich, normal ist.

[Sprecher 1]

Ja, und was ich aber sagen wollte ist, ich glaube, es ist so, dass, wenn wir zum Beispiel auf

Tagungen fahren und mit Leuten treffen, dann sind ja auf diesen Tagungen immer die Leute,

die etwas verändern wollen. Und die, die das nicht wollen, die gehen ja dort nicht hin und

sagen, ich höre mir das jetzt drei Tage an, eigentlich finde ich das alles blöd und dann gehe ich

wieder ins Büro und mache alles so, wie ich es vorher gemacht habe.

[Sprecher 2]

In dem Sinne auch ein bisschen selbstreferenziell und das Interessante ist aber, was passiert

dann mit diesen Menschen in den Einrichtungen? Was können die dort bewirken? Was können

die dort vielleicht auch als kleine Pflänzchen einpflanzen, die dann irgendwann größer werden?

Und ich war ja gerade jetzt wieder auf einer Tagung zum Thema ökologische Nachhaltigkeit

und da hat es auch damit stattgefunden, dass völlig Fachfremde, wenn man das so will, eine

Bewusstheit zu diesem Thema ökologische Nachhaltigkeit hatten und da angefangen haben,

Veränderungen einzuführen oder nachzufragen oder auch etwas zu installieren und das dann

richtig zum großen Veränderungsprozess geführt hat, der eben dazu führte, dass eben jetzt

genau an dem Haus, also ich rede hier über das Theater Energieforum in Kassel, dass eben der

Energiemanager oder weiß ich gerade nicht, wie die genaue Bezeichnung ist, aber an dem

Haus ein Mensch eingestellt wurde, der sich tatsächlich um Energieeffizienz und andere

Themen kümmert, aufgrund einer Initiative aus der Musikerschaft, die sich eben mit

ökologischen Themen beschäftigt hat und gesagt hat, das wollen wir auf die Agenda setzen

und sind da auch hart mitgeblieben und das hat dazu geführt, dass dieser Mensch eingestellt

wurde. Er hat innerhalb des ersten Jahres auch seine eigenen Kosten amortisiert, entwickelt da

jetzt vieles weiter und hat dann gesagt, ich möchte über das Thema größer reden und das ist

auch jetzt an dem Haus basiert, waren wirklich über 50 Leute aus ganz Deutschland da, aus

ganz unterschiedlichen Häusern und haben sich eben über das Thema Energieeffizienz und

energetische Nachhaltigkeit, ökologische Nachhaltigkeit an Theatern unterhalten. Ganz

spannend.

[Sprecher 1]

Naja klar und ich meine, wenn wir in die Magazinausgabe zur sozialen Nachhaltigkeit schauen,

dann ist zwar einerseits der Befund, dass im Prinzip die Situation für sehr viele Menschen

immer noch sehr schwierig und sehr schlecht ist, also gerade auch, es geht auch um Freie, um

alle, die von Honoraren abhängig sind, um den Bühnenverein, der ja zugegebenermaßen,

wenn man es beispielsweise mit Museen oder Bibliotheken oder anderen Bereichen vergleicht,

dann ist ja der Bühnenbereich schon immer ein bisschen schwieriger, was das Arbeiten angeht,

aber trotzdem stellen im Prinzip alle AutorInnen der Ausgabe fest, es verändert sich eigentlich

etwas zum Positiven und es hat niemand hat geschrieben oder hat mir im Gespräch gesagt, wir

haben das Gefühl, es ist in den letzten Jahren wieder schlechter geworden. Also muss man auch

sagen und klar, große strukturelle Veränderungen dauert eben immer lange. Das geht eben

nicht innerhalb von sechs Monaten, dass etwas passiert, aber es passiert durchaus etwas und

das ist ja das Schöne, dass eben beispielsweise solche Magazinausgaben dann anhand von

konkreten Beispielen auch immer wieder zeigen, wie es wirklich auf der organisatorischen

Ebene funktionieren kann.

Also hier denke ich zum Beispiel an den Beitrag von der Hochschule für Musik und Theater in

Hamburg, wo es eben schon um die Frage geht, wer bekommt bei uns Studienplätze? Wer hat

überhaupt die Möglichkeit, sich bei uns auf Studienplätze zu bewerben? Wie können wir diese

Verfahren schon anpassen?

Wie können wir Strukturen schaffen, um beispielsweise Menschen mit Behinderung das

Studium zu erleichtern und so weiter und so fort? Das einfach zeigt, es geht, wenn wir es

wollen, wenn wir uns dafür einsetzen und wenn wir dafür stehen und es passiert im Prinzip

wirklich auf sehr, sehr vielen Ebenen tatsächlich schon sehr viel und das vielleicht nochmal als

einen Eindruck, weil ich weiß, dass du das auch spannend fandest, das Interview mit Iris Zappe-

Heller vom österreichischen Filminstitut.

Bei dem es mir eben wirklich um die Frage ging, was können auch Förderinstitutionen tun und

sie halt ganz klar gezeigt hat, also wir fordern, wir bitten nicht nur darum, dass die Menschen

oder die Institutionen, die von uns Geld bekommen, Dinge tun, sondern wir fordern, dass sie

das tun. Sie müssen das nachweisen, daran sind dann auch weitere Gelder gekoppelt und so

weiter. Also, dass es verlangt wird, dass das durchaus funktionieren kann, fand ich war dafür

eben auch nochmal ein gutes Beispiel.

[Sprecher 1]

Ja, ich sage immer gerne, Beachtung schafft Verstärkung. Das gilt natürlich auch dafür, je mehr

man wirklich da den Finger drauf legt oder je mehr man das auch diskutiert, je mehr man das

auch auf die Agenda hebt, umso stärker wird das natürlich auch bewusst und umso mehr wird

das auch anschlussfähiger für die Menschen. Das ist im Negativen wie im Positiven.

Also Beachtung schafft immer Verstärkung und was ich an dem Interview spannend finde oder

generell auch und was mir ja auch ein bisschen gegen den Strich geht, wie viel Veränderungen

immer mit Verboten, Einschränkungen, Regelungen und ähnlichen verbunden werden und nie

mit motivierenden Instrumenten, also mit Unterstützung oder Anreizen oder was auch immer,

sodass Menschen vielleicht sogar aus sich selbst heraus oder auch Organisationen aus sich

selbst heraus sagen, ja, also wir gehen jetzt den Weg, auch weil uns Anreize, Wege geöffnet

werden, das zu machen und das wollen wir tun und nicht darüber nachdenken müssen, sind

wir in einer bestimmten Größe und müssen das machen oder wir müssen uns zwangsweise

oder haben eine Regel, die das und jenes besagt, sondern tatsächlich motivierende

Instrumente, aktivierende Instrumente und Anreizsysteme dafür zu schaffen, finde ich viel

spannender.

Und wenn das einmal im Rollen ist, wird das ja auch nicht so sein, dass die dann plötzlich

aufhören, sondern haben sich ja Dinge etabliert, also erst mal verändern und dann etabliert

und man sieht vielleicht sogar dann auch die positiven Effekte davon und dann geht man

einfach weiter. Das kriegt man ja in ganz, ganz vielen unterschiedlichen Thematiken immer

wieder mit, wo sich Leute auf den Weg gemacht haben, ist ja beim Digitalisieren genau

dasselbe Thema und das wäre sicher ein schönerer Ansatz.

[Sprecher 2]

Ja, wobei natürlich das Problem immer ist mit der extrinsischen und der intrinsischen

Motivation. Die extrinsische hält immer nicht so gut vor, ja. Die intrinsische funktioniert

natürlich immer besser und ich habe das so ein bisschen gedacht, jetzt auch als wir den

Rückblick zur Fachverbandstagung geschrieben haben, weil ich da gerade kurz vorher einen

Podcast dazu hörte, wo es auch so darum ging, dass es im Prinzip eine zunehmende

Anspruchshaltung auch gegenüber der Politik und der Verwaltung gibt, dass die Probleme

lösen und Menschen dazu zwingen, sich mit Problemen zu beschäftigen, während, was ja

bedeutet, dass wenn ich als Kulturorganisation sage, naja, ich kann aber nichts machen,

solange nicht mein Träger, solange nicht die Politik, solange das oder das, dann gebe ich ja

auch diese Verantwortung dafür ab, anstatt ich sie mir eben selbst nehme und intrinsisch

motiviert sage, ich will das jetzt.

[Sprecher 1]

Ja, aber gesetzt in dem Fall, du bist wirklich so intrinsisch motiviert und machst dich bei

manchen Themen auf den Weg, dann stehst du zum Teil Regelungen und Regelwerken

gegenüber, die wirklich überbordend sind und die noch nicht mal die einfachsten Fußschritte

mal zulassen, ohne dass du konzeptionell, organisatorisch, strukturell und was nicht alles schon

vorbereitet hast. Auch so ist es auch nicht gut.

[Sprecher 2]

Das soll nicht bremsen.

[Sprecher 1]

Genau, also einfach auch kleine Schritte, auch vielleicht mal unkonventionelle Schritte einfach

mal zuzulassen und nicht alles gleich in den Regelwerk zu packen, wäre schon auch in mancher

Hinsicht ein Fortschritt. Absolut.

[Sprecher 2]

Und trotzdem, glaube ich, würde ich die Podcast-Folge gerne mit dem Aufruf auch so ins neue

Jahr starten, zu sagen, nicht nur im Hinblick auf soziale Nachhaltigkeit, sondern allgemein,

übernehmt die Verantwortung, also übernehmt sie auch mit Lust, mit Spaß, mit Freude die

Verantwortung für Veränderungen, anstatt sie jemand anderen abzugeben oder darauf zu

warten, dass jemand anderes euch zwingt und findet eure Selbstwirksamkeit. Ich glaube, ich

habe das schon sehr oft gesagt in diesem Podcast, aber ich finde es einfach sehr wichtig zu

sagen, wartet nicht darauf, dass jemand anderes etwas für euch macht.

[Sprecher 1]

Und Verantwortung ist ein viel schöneres Wort als Zuständigkeit. Zuständigkeit führt in meinen

Augen immer zu Zuständen und da ist Verantwortlichkeit, gerade wenn man das auch noch

selbstbestimmt, dann auch macht. Das ist ja auch das Interessante, im Englischen ist ja

Responsibility viel positiver besetzt als in der deutschen Verantwortung.

Obwohl eigentlich das gleiche drin steckt, ein Wortkern, da steckt ja Antwort drin. Also sich in

einer Rolle bewusst zu finden und aus dieser heraus eine Antwort zu geben, das hat ja sehr viel

mit Selbstbestimmtheit zu tun und wie du sagst mit Selbstwirksamkeit. Also dann macht ja

Verantwortung auch Spaß.

Und wir denken bei Verantwortung viel zu sehr an Schuld und Recht und Vorurteilung. Und das

ist sprachlich ein Nachteil, aber wenn wir uns dessen bewusst sind, können wir den ja

überwinden und trotzdem eine positive Konnotation da hineingeben.

[Sprecher 2]

Genau, liebe Hörende, jetzt haben wir euch einmal dafür sensibilisiert und jetzt hoffen wir, dass

ihr quasi dafür auch sensibilisiert bleibt. Dirk und ich sind heute ein bisschen thematisch

gesprungen hin und her. Wir hoffen, das ist nicht schlimm und dass ihr trotzdem vielleicht ein

bisschen Inspiration aus dem ziehen konntet, worüber wir gesprochen haben.

Falls ja, seid nicht rückmeldungsfaul, lasst es uns gerne wissen. Lasst uns auch gerne wissen,

wenn ihr uns widersprecht, wenn ihr andere Ansichten habt als wir. Auch dafür sind wir

natürlich immer total offen.

[Sprecher 1]

Das können sich unsere Hörenden ja fürs neue Jahr vornehmen, wirklich auch mal uns ein

Feedback dazu zu geben, wir würden uns sehr freuen.

[Sprecher 2]

Genau und natürlich auch über jede andere Art von Input, wenn ihr gute Beispiele kennt, wenn

ihr Erfahrungen mit uns und den anderen Kulturschaffenden teilen wollt in diesem Jahr.

[Sprecher 1]

Oder auch Themen.

[Sprecher 2]

Oder auch Themen, dann sind wir dafür natürlich total offen. Und grundsätzlich können wir

aber sagen, wir freuen uns auf ein neues Kulturjahr mit euch. Wir hoffen, ihr bleibt unserem

Podcast und unseren redaktionellen Inhalten und allem, was wir tun, auch weiterhin gewogen

und sind dann im Februar