Dienstags im Koi - der Podcast von kulturmanagement.net
Im Podcast "Dienstags im Koi" bespricht die Redaktion von Kultur Management Network einmal im Monat aktuelle Kulturmanagement-Themen. Julia Jakob, die Chefredakteurin des Magazins, und Kristin Oswald, die Leiterin der Online-Redaktion, teilen darin ihre Gedanken zu Entwicklungen im Kulturbetrieb.
Seit der Pandemie arbeitet das Team von Kultur Management Network vor allem im Homeoffice. Nur der Dienstag ist der feste Bürotag und das bedeutet auch: Wir gehen zum Mittagessen ins Koi7, unser Weimarer Lieblingsrestaurant. Der Name Koi7 geht auf das altgriechische Wort Koine zurück, das gemeinsame Sprache bedeutet. Dazu passend besprechen wir im Koi7, was gerade in der Welt und im Kulturbetrieb passiert. Was läge also näher, als einen Podcast danach zu benennen?
Wie unsere Mittagspausen im Koi7 ist auch der Podcast ein Plausch, hier zwischen Jule und Kristin, hin und wieder begleitet von unserem Chef Dirk Schütz oder anderen Teammitgliedern. In den bisherigen, vor allem textgebundenen Formaten der Redaktion gab es keinen Platz für diese Gespräche. In "Dienstags in Koi" teilen Jule und Kristin ihre jahrelangen Erfahrungen und ihr Wissen über den Kulturbereich, ordnen aktuelle Themen ein und geben Einblicke in ihren Redaktionsalltag. Zudem veröffentlichen wir im Podcast Interviews, die die Redaktionsdamen mit Kulturschaffenden führen. Damit ist "Dienstags im Koi" einer der wenigen redaktionellen, spartenübergreifenden Kulturmanagement-Podcasts.
Unser Podcast “Dienstags im Koi” und die redaktionellen Inhalte auf unserer Website sind für unsere Hörer*innen und User*innen kostenlos. Dennoch braucht all das viel Liebe und Zeit. Deshalb freuen wir uns über jede finanzielle Unterstützung. Dafür habt ihr zwei Möglichkeiten:
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Ein Podcast der KM Kulturmanagement Network GmbH.
Dienstags im Koi - der Podcast von kulturmanagement.net
Folge 25: Soziale Nachhaltigkeit gestalten
Die erste Folge in 2026 mit Kristin Oswald und Dirk Schütz kreist um die Frage, wie Kultur unter Druck handlungsfähig bleibt. Zwischen Budgetkürzungen, gesellschaftlichen Rückwärtsbewegungen und wachsender Überforderung geht es um Selbstwirksamkeit, Verantwortung und die Fähigkeit von Kultur, Orientierung zu geben. Soziale Nachhaltigkeit erscheint dabei nicht als moralischer Anspruch, sondern als Voraussetzung für zukunftsfähige Organisationen. Personalbindung, Barrierefreiheit, Diversität und Motivation kommen in diesem Kontext auf. Ein Appell zum Jahresbeginn: Veränderung aktiv gestalten, bevor sie von außen erzwungen wird.
Jahresrückblick 2025: https://www.kulturmanagement.net/Themen/Jahresrueckblick-2025-vom-Erhalten-zum-Gestalten,4815
KMN Magazin Ausgabe 186 Soziale Nachhaltigkeit: https://cdn.kulturmanagement.net/dlf/aee145fe594c9873303c81ffb169e552,1.pdf
TheaterEnergieForum im Staatstheater Kassel: https://www.staatstheater-kassel.de/news/erstes-theater-energie-forum-im-staatstheater-kassel
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Hallo, liebe Hörende und herzlich willkommen zur 25. Plauschfolge des Podcasts Dienstags im
Koi von Kulturmanagement Network. Mein Name ist Christin Oswald und heute ist bei mir
wieder unser Geschäftsführer Dirk Schütz.
[Sprecher 1]
Hallo.
[Sprecher 2]
Die 25. Plauschfolge ist zugleich die erste Folge im Jahr 2026 und diesen Anlass wollen wir
natürlich nutzen und erstmal auf das vergangene Jahr zurückschauen und vielleicht ein
bisschen auch auf das neue Jahr vorzuschauen. Dirk, wie war denn das Kulturjahr 2025 für dich
in zwei Sätzen?
[Sprecher 1]
In zwei Sätzen? Das ist ja gemein. Ich könnte sagen gut und schlecht.
Das Gute war, dass wir ein neues Nachwuchsmitglied in unserer KM-Familie begrüßen durften.
Unsere Chefredakteurin Magazin, die Jule, hat hier ein Kind bekommen und ist ganz glücklich
damit und wir sind glücklich mit ihr zusammen. Und das ist auch eine ganz süße Maus, also wir
freuen uns sehr.
Und das Zweite ist natürlich, dass wir als Dienstleister im Kulturbereich natürlich genauso mit
den Widrigkeiten und Hin und Her, sondern auch im Absen des Kulturbetriebs zu kämpfen
haben wie alle und das natürlich auch auf uns nicht ohne Wirkung bleibt.
[Sprecher 2]
Ja, gleichzeitig habe ich, als ich zusammen mit Anja, unserer lieben Kollegin, den
Jahresrückblick geschrieben habe, schon gedacht, 2025 war wieder ein Jahr mit viel
Beigeschmack, sage ich mal, mit viel negativen Beigeschmack auch. Also es hat sich sicherlich
vieles durchaus ins Negative entwickelt. Wir reden über Budgets und Kürzungen, wir reden
über politische Angriffe, wir reden über die Frage, inwieweit sich auch gesellschaftlich vielleicht
Entwicklungen wieder zurückdrehen oder wieder weniger wichtig werden, bei denen man
vielleicht schon mal das Gefühl hatte, dass wir weiter sind.
Und gleichzeitig, glaube ich, kann man aber auch sagen, 2025 ist im Kulturbereich doch wieder
mehr in Bewegung gekommen. Also das ist so ein bisschen mein Eindruck und den habe ich
eigentlich schon seit vielen Jahren, dass gerade Krisenzeiten auch zum einen die Relevanz von
Kultur nochmal anders herausbringen oder anders zutage treten lassen und dass Krisenzeiten
aber gleichzeitig auch dazu führen, dass Kultur, naja, sich anpassen muss, ob sie will oder nicht,
sich bewegen muss. Aber ich glaube, dass eben auch sehr oft möchte.
Also ich glaube, sehr, sehr viele Menschen im Kulturbereich wollen eigentlich etwas dazu
beitragen, dass Menschen diese Krisen reflektieren oder durchstehen können, dass sich die
Gesellschaft in eine Richtung entwickelt, die positiv für die meisten ist und nicht nur für wenige.
Und dass sich gerade in Krisen eigentlich zeigt, was Kultur auch leisten kann. Und also ein
bisschen, sagen wir ironisch gesagt, es ist ja auch gewissermaßen leichter, das in Krisen zu
zeigen, als in Zeiten, in denen irgendwie alles gut läuft.
Denn gerade Kultur und ihre Reflexionsfähigkeit haben natürlich auch in Krisen viel mehr
Ansatzpunkte oder viel mehr Möglichkeiten, wenn man so möchte, den Leuten doch eben
etwas auch an die Hand zu geben und etwas mitzugeben. Und ich habe schon das Gefühl, dass
das viele wollen und dass nun die aktuellen Veränderungen auch dazu führen, dass mehr
passiert, als es vielleicht vor zehn Jahren noch der Fall war. Verteilst du das?
[Sprecher 1]
Das ist natürlich ein Riesenrahmen. Also letztendlich ist es, glaube ich, nie einfach, Kultur zu
machen, Kultur zu befördern, Kultur voranzubringen. Und klar, ich kann nachvollziehen, was du
sagst, dass es in Krisenzeiten, dass da viele Eigenschaften hervortreten und auch hervortreten
müssen, die der Kultur immanent sind, die manchmal irgendwie verschütt gehen oder nicht so
präsent sind.
Und das ist auch wie bei uns als Unternehmen so. Letztendlich musst du da auch die ganze
Klaviatur spielen, die es gibt. Und das fordert am meisten heraus.
Und für viele Menschen ist das auch eine Genugtuung, so eine Herausforderung dann zu
meistern. Wobei es wahrscheinlich auch viele so darstellen würden, dass es schon
überfordernd ist. Nicht herausfordernd, sondern überfordernd.
Und ja, ich teile auch die Meinung, dass es aus meiner Sicht der Kultur ganz gut tut, jetzt wieder
stärker sich auf ihre Stärken zu beziehen. Und es vielleicht in den letzten Jahren nicht für alle,
aber für einige, ich will nicht sagen zu gut lief, aber auch so lief, dass man jetzt schon so eine
gewisse Gewohnheit darin hatte und dass das nie gut ist. Das ist auch in Unternehmen nie gut.
Auch nicht in Unternehmen wie unseren. Wir versuchen ja selber fast schon in den
angenehmsten Zeiten krisenhaft über uns nachzudenken, weil wir halt auch immer gucken
wollen, dass wir nicht stehenbleiben, nicht stillstehen, es weiterentwickeln. Und natürlich
könnte man es einfacher haben und das einfach nur genießen, aber dann wäre ein ganz
wesentlicher Reiz unserer Arbeit weg.
Und ich glaube, dann wäre auch ein ganz wesentlicher Reiz kultureller Arbeit weg, wenn es
einfach alles vor sich hin plätschert. Und ich hoffe, dass die Kraft, die in Kultur steckt, in
künstlerischer Arbeit steckt, in dem, was Kultur auch der Gesellschaft geben kann, dass das
jetzt wieder stärker nach vorne treten kann. Obwohl man natürlich auch sehen muss, dass es
sehr, sehr viele Dinge gibt, die nicht nur im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie, sondern
auch im Sinne von Dringlichkeit oder Ähnlichem vielleicht hervorstechen.
Aber auch da, denke ich, kann Kultur viele Eigenschaften auch einnehmen, die sie hat, kann
versöhnen, kann aufrütteln, kann wachrütteln, kann dynamisieren, kann elektrisieren, Energie
bringen, was auch immer, um da eben auch Dinge voranzubringen. Und das ist eigentlich auch,
wenn man sich darauf wieder besinnt, kann das auch sehr, sehr befriedigend sein, dann eben
zu gucken, was man damit alles erreichen kann. Also das klingt ja alles sehr vage und ist gar
nicht konkret, aber vom Gefühl her, glaube ich, kann in solcher Situation wie jetzt man am
meisten erleben, was Kultur eigentlich leisten könnte und kann.
Und wie schwierig es wäre ohne Kunst- und Kulturangebote. Ich glaube auch, dass es in
vielerlei Hinsicht die jetzige Situation gerade gut tut, auch darüber zu reflektieren, ob man nicht
bei vielen Dingen übers Ziel hinausgeschossen ist, ob man auch seine eigene Stellung in der
Gesellschaft nochmal anders reflektieren muss, das reflektieren muss, was man der
Gesellschaft auch geben will und kann, wo man sich auch einmischen kann, wo auch Kultur
wieder oder noch Avantgarde sein kann und so weiter.
Also ich glaube, es könnte vielen auch Antrieb geben bei all den Diskussionen auch ums Geld,
aber da ist eben die Herausforderung, dass sich schon immer Dinge geändert haben und auch
schon immer Geldflüsse geändert haben und auch Aufmerksamkeiten geändert haben und
man das eben als Herausforderung annehmen muss. Und es vielleicht auch in mancher
Hinsicht gut tun kann, mal zu hinterfragen, ob man das, was man jetzt immer gemacht hat,
nicht doch verändert oder anders macht oder neue Dinge anbietet und all das weglässt. Es gibt
vielerlei Möglichkeiten, die so eine Reflektion dann nach sich ziehen kann.
[Sprecher 2]
Naja klar, ich meine einerseits ist es schon so, dass jetzt viel, also es ist sicherlich auch viel
irgendwo aufgezwungene Veränderungen, Dinge, die von außen, auch immer gesellschaftlich,
politisch, von Trägerseite, von Wirtschaftsseite, was auch immer kommen und mit denen sich
Kultur zwingend beschäftigen muss. Aber mein Eindruck ist schon, dass sie das vielerorts auch
will. Und das ist, also es ist definitiv überfordernd, das glaube ich auch, weil einfach wahnsinnig
viele Themen auf der To-Do-Liste stehen und man vielleicht gar nicht weiß, womit man
anfangen soll.
Aber ich glaube, dass man anfangen muss. Und die Frage, sehe ich das als Problem oder sehe
ich es vielleicht auch als Aufschwung, als Möglichkeit, etwas zu tun, dass man vielleicht auch
mit so einer Perspektive dann in ein neues Jahr starten kann und sich überlegen kann, gehe ich
jetzt mit der Einstellung an das neue Jahr ran, alles ist schlecht oder gehe ich damit ran, ich
kann jetzt etwas verändern und wir können uns vielleicht in eine Richtung entwickeln, auf die
wir auch Lust haben, die wir selbst auch gut finden würden, die uns vielleicht als Team
zusammenschweißt, die uns vielleicht mit unserer Stadtgesellschaft nochmal anders verbindet
oder was auch immer. Und von daher hoffe ich, dass trotz all der vielleicht Überforderung und
der negativen Gedanken des letzten Jahres, so ein bisschen diese positive Stimmung doch
erstmal in das neue Jahr reinschwappt. Und es war schon, also mein Eindruck von den vielen
Tagungen, die wir letztes Jahr besucht haben und von den Gesprächen, die wir hatten, hatte ich
schon den Eindruck, dass das auch so ist.
[Sprecher 1]
Also was man sicherlich, wenn man auf so Tagungen ist oder generell feststellen kann, ist, dass
es ein stärkeres Bewusstwerden gibt. Und andererseits muss man natürlich sagen, viele Dinge,
über die wir jetzt diskutieren, die als Probleme jetzt daherkommen, waren absehbar. Ja.
Und waren vielleicht schon lange da und hatte halt die Augen davor verschlossen oder es ist
nicht angegangen oder hatte halt gedacht, naja, bisher gab es immer noch mehr Geld oder
man konnte noch dieses und jenes zusätzlich machen und musste sich vielleicht mit
Verteilungskämpfen eigentlich gar nicht mehr so richtig beschäftigen und hat deswegen auch
viele strategische Dinge aus dem Blick genommen und auch viele Dinge, die verändert
gehörten, aus dem Blick genommen.
Dabei sind die massiven Einschnitte noch gar nicht so lange her, wenn ich an Corona denke.
Aber ganz viele Dinge, die da passiert sind, war ja für uns auch interessant, das zu beobachten,
ob die zu irgendetwas führen, zu Veränderungen führen. Es war interessant, dass es wirklich
wie so eine Art Gummi, was man auseinandergezogen hat, wieder zurück in seine
Ursprungssituation dann zurückgeschnitten ist.
[Sprecher 2]
Ja.
[Sprecher 1]
Ob das jetzt Digitalisierung ist, ob das Personal ist, ob das Publikum ist, was auch immer. Und
vielleicht, also man will es gar nicht wahrhaben, aber manchmal ist es tatsächlich so, dass man
den Eindruck gewinnt, es braucht erst wirklich heftige Krisen oder heftige Situationen, damit es
so eine Art Auffachen gibt. Und ich hoffe mal, dass das der positive Impuls ist, dass man sagt,
jetzt gehen wir aber Dinge an.
Also jetzt verändern wir wirklich Dinge. Jetzt stellen wir uns anders auf. Jetzt diskutieren wir
anders.
Jetzt suchen wir uns neue Allianzen. Wir schauen das Alter an und entschlacken. Wir wollen
auch wieder beweglicher werden.
Das ist ja auch immer so ein neueres Wunsch abzunehmen und vitaler zu werden. Das kann
man sicherlich auch in so einer Situation für Organisationen vergleichen. Immer in dem
Rahmen, die sie auch haben.
Ja, manche Dinge kann man gar nicht so leicht verändern an den Rahmenbedingungen. Aber
man kann sich intern anders auf Dinge einstellen oder auch andere Gewichtungen vornehmen,
andere strategische Setzungen vornehmen. Und das verändert auch Dinge.
Und natürlich ist das nicht so einfach, sich so neu erfinden zu müssen. Aber vielleicht ist es auch
eine gute Situation, sich mal so sehr auf sich zurück zu besinnen und auf den Ursprung des
eigenen Tuns oder auch auf die Kernkompetenzen, auf das, was man wirklich gut kann und
vielleicht auch noch gar nicht an Potenzialen gehoben hat und zu gucken, dass man da eben
eine neue Richtung geht. Das ist auf jeden Fall, glaube ich, ein positiver Zugang auch zu einem
Denken, was im neuen Jahr auch kommen wird.
Und machen wir uns nichts vor. Viele der Krisen, die wir jetzt haben und viele der Dinge, die uns
belasten, schleppen wir auch ins neue Jahr. Das heißt, wir müssen unsere eigene Einstellung
auch ändern.
Wir müssen unsere eigene Sichtweise auf Dinge ändern, weil wir wissen, so schnell gibt es
bestimmte Rahmenbedingungen nicht, die sich dann ins Positive verändern. Wenn es so ist,
hurra, dann ist das ja ein bisschen entlastend. Aber man kann ja auch sagen, okay, wir wissen,
bestimmte Dinge gehen jetzt erst mal so weiter oder werden nicht so schnell verschwinden.
Also setzen wir doch dem etwas entgegen. Setzen wir doch neue Ideen dem entgegen oder
versuchen wir einfach, neue Dinge auszuprobieren und Dinge auch anders zu machen. Dann ist
das ja schon mal ein positiver Erstgedanke fürs neue Jahr.
Und klar, man muss es dann auch machen. Das ist zwar mittlerweile so ein blödes,
abgetroschenes Wort auch, aber tatsächlich kann man eben auch etliches tun und muss sich
den Gegebenheiten nicht ergeben.
[Sprecher 2]
Das finde ich ganz spannend, dass du das so sagst, weil gefühlt das Wort Selbstwirksamkeit
eines ist, dass in den letzten Wochen sehr viel auch so in unserer Redaktion und bei uns im
Team und auch in den Texten, die wir selbst geschrieben haben, die unsere Autorinnen
geschrieben haben, einfach sehr häufig vorkam. Also ich glaube auch, dass Kulturarbeit und
gerade im öffentlichen Kulturbereich sehr lange bestimmt war von eigentlich relativ wenig
Selbstwirksamkeit, weil man immer diesen Strukturen unterlegen war. Und das natürlich auch
so ein negatives Gefühl gibt.
Also wenn ich das Gefühl habe, ich bin eigentlich vielleicht unzufrieden mit meiner Situation, in
welcher Hinsicht auch immer, aber ich habe das Gefühl, ich kann daran nichts verändern und
ich bin dem ausgeliefert, dann ist das ja auch eine ganz schlechte Arbeitsvoraussetzung. Dann
macht man es vielleicht vor sich hin, aber so richtig zufrieden stellt es ja nicht. Und die Frage,
sieht man etwas als Selbstwirksamkeit, kann man also Veränderungen selbst in die Hand
nehmen, ist, glaube ich, eine total relevante auch in solchen Situationen der Veränderungen
und die Frage, wie man eben auf diese Veränderungen auch schaut.
Also ob man eben versucht, sie auszusitzen in der Hoffnung, dass es weggeht, was, glaube ich,
bei den meisten Themen, über die wir im Moment sprechen, nicht passieren wird. Also sei es
eben das Thema Klimakrise, sei es das Thema gesellschaftlicher Wandel, politische Entwicklung.
Das wird einfach auch 2026 nicht vorbeigehen.
Das wird auch bis 2030 wahrscheinlich nicht vorbeigegangen sein. Von daher ist Aussitzen,
finde ich, keine Option. Aber eben selbstwirksam und selbstbestimmt Wege zu finden, damit
umzugehen, gibt dem Ganzen ja auch neuen Schwung, gibt ja auch neue Energie, wenn ich aus
so einer Perspektive da rangehe.
Von daher ist es, glaube ich, kein Zufall, dass das auch in letzter Zeit relativ häufig bei uns
aufkam, weil wir uns natürlich auch sehr stark mit Bereichen beschäftigt haben, auch
redaktionell, in denen das vorkam. Also nämlich unser letztes Magazin, über dessen Thema wir
ja heute auch sprechen wollen. Und auch in der letzten Podcast-Folge mit Oliver Thewes-
Schünzel vom Institut für kulturelle Teilhabeforschung ging es ja darum, wie man eigentlich
diese unsichtbaren Spielregeln und Mechanismen des Arbeitens im Kulturbetrieb erkennen
und selbstwirksam für sich verändern kann oder sich dessen bewusst werden kann.
[Sprecher 1]
Es ist ja eine Binsenweisheit, dass Veränderung immer ist. Und vielen ist das aber gar nicht
bewusst. Und natürlich nimmt man massive, große Veränderungen ganz anders wahr als
kleine.
Und dabei ist es aber eigentlich so interessant, eben auch zu schauen, wo sich Dinge auch
verändern. Jedes soziale System ändert sich schon, wenn es Veränderungen in der
Zusammenstellung gibt. Unser Team hat sich dieses Jahr auch mehrfach verändert.
Und jedes Mal, entweder indem jemand erstmal, auch wenn es auch manchmal temporär ist,
rausgeht oder sich auch beruflich weiterentwickelt oder jemand Neues kommt, das hat ja
fundamentale Veränderungen für das Team. Und dessen muss man sich auch bewusst sein.
Und die Frage ist halt, lasse ich mich verändern oder verändere ich es selber?
Also komme ich da selber auch in Aktivität und habe die Hefte des Handelns so in der Hand und
steuere das auch und gucke auch, dass ich diese Entwicklung für mich auch beeinflussen kann.
Und da gibt es ganz viele Dinge, die Veränderung nach sich ziehen können, die manchmal ganz
kleine, einfach nur kleine Moves sind oder kleine Prozessschritte, die verändert werden oder
was auch immer. Oder Achtsamkeiten, die man verstärkt.
Und das kann auch große Wirkungen haben. Also man muss nicht immer auf die großen
Veränderungen gucken, sondern kann auch wirklich gute Dinge voranbringen, indem man im
Kleinen ändert oder eben Anstöße gibt, die viele, viele Dinge nach sich ziehen, die eben dann
auch sehr umfassende Veränderungen mit sich bringen können. Also von daher, wenn man
immer sagt, ja, Veränderungsdruck oder so, der ist eigentlich immer da.
Es wäre schrecklich, wenn alles einfach nur still steht und bestehen bleibt. Und das tut es ja
auch nicht. Und jede noch so kleine Intervention in ein System bringt Veränderungen mit sich.
Die Frage ist nur, nehme ich es wahr und steuere es bewusst oder gehe ich aktiv damit um oder
lasse ich es mit mir geschehen? Das ist halt die Frage. Auch wenn Teams intern, wenn man
sagt, die Laune ist schlechter geworden oder das Team funktioniert nicht mehr, dann hat es
einfach damit zu tun, dass sich Dinge verändert haben, die man nicht beachtet hat oder dass
man Dinge zugelassen hat oder dass man zugelassen hat.
Das ist ja auch so dieser große Pessimismus, der so überall ist, dass man sich den eben auch
hingegeben hat, nicht geguckt hat, wo sind positive Dinge oder wo sind Dinge, die man
gestalten oder beeinflussen kann.
[Sprecher 2]
Naja, und gleichzeitig dürfen wir aber auch nicht kleinreden, dass all das, was im Moment
passiert, natürlich auch Negatives mit sich bringt. Ganz klar. Also wenn Budgets gekürzt
werden, Projekte nicht stattfinden können, Stellen gestrichen werden oder Aufträge gestrichen
werden, dann ist das ja durchaus negativ.
Vor allem auf der individuellen Ebene für die für die jeweiligen Kulturschaffenden vielleicht
noch stärker oder wahrscheinlich noch stärker auf der individuellen als auf der der
Organisationen. Also klar ist es für die Organisationen nicht gut, wenn sie auch Projekte nicht
umsetzen können. Aber es gefährdet nicht die Organisation.
Wohl aber im schlimmsten Fall den Karriereweg oder die finanzielle Situation der Personen, die
davon betroffen sind. Und das sollen wir natürlich auf gar keinen Fall kleinreden.
[Sprecher 1]
Nicht nur das, sondern es kann richtig auch Dinge zerstören. Und das, was wir am Jahresende
erleben, ist halt wirklich eine sehr eigenartige Entwicklung, wenn man sieht, dass über Monate
Haushalte eingefroren waren, Mittel nicht freigegeben waren und plötzlich man in
Einrichtungen auch sieht, dass da Mittel aufploppen, die man dann wiederum völlig hysterisch
ausgeben und irgendwie verwenden muss. Und auch will, na klar, will man die Mittel auch noch
nutzen.
Aber gleichzeitig bedeutet das, dass man viele Dinge, die man für eine strategische Entwicklung
oder überhaupt für eine Weiterentwicklung gebraucht hätte in dem Jahr nicht hat nutzen
können. Und das ist so fatal. Und dass man dann eben auch am Jahresende dasteht und damit
nichts mehr im schlechtesten Fall im neuen Jahr anfangen kann, weil man vielleicht sogar schon
wieder mit der Einstellung ins neue Jahr gehen muss.
Wer weiß, was mit dem Haushalt ist und ob es schon wieder eine Haushaltssperre gibt oder
nicht. Und das ist nicht nur frustrierend, sondern das schneidet auch für etliche Leute, die an
der ganzen Wertschöpfungskette auch sind und an der ganzen Prozesskette sind, wirklich
Wege ab. Und das betrifft natürlich vor allem viele Freie, viele projektorientiert Arbeitende.
Und das frustriert auch extrem. Und natürlich kann man auch sagen, Mensch, wenn man über
die letzten Jahre guckt, ist so vieles additiv dazugekommen. Aber es hilft den Leuten ja jetzt
nicht.
Und es bietet auch keine Perspektive, weil sie natürlich jetzt nicht sagen, na ja, dann beantrage
ich halt jetzt im nächsten Jahr. Also da weiß auch noch gar keiner, wie das aussieht. Also das ist
schon extrem schwierig und auch für Einzelpersonen oder auch für Projekte katastrophal.
[Sprecher 2]
Und gleichzeitig haben wir aber festgestellt, dass unsere redaktionellen Inhalte, die sich mit
Karrierewegen beschäftigen, in diesem Jahr nicht so gut rezipiert wurden wie in den Jahren
davor. Also zumindest muss man immer sagen, soweit wir das mitbekommen. Denn
grundsätzlich, liebe Hörende, liebe LeserInnen, seid ihr ja eher Kommentar- und
Rückmeldungsfaul, was unsere Inhalte angeht.
Also wir wissen durchaus, dass es gelesen wird. Aber die aktiven Rückmeldungen sind
schwächer ausgefallen als in den Vorjahren. Und das finde ich schon erstaunlich, weil ja das
Thema Karriere, Arbeitsmarkt, welche beruflichen Möglichkeiten gibt es, gerade in Zeiten, in
denen Budgets gekürzt werden, weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, ja eigentlich
gefühlt wieder größer wird oder für viele Menschen vielleicht dringlicher ist als es war.
Und wir haben ja auch festgestellt, dass in diesem Jahr sich die Arbeitsmarktentwicklung viel
schwieriger inzwischen voraussagen lässt, weil wir in manchen Bereichen durchaus von einem
Fachkräftemangel sprechen, während es in anderen Bereichen dann doch wieder jetzt stärker
zu einem Arbeitgebermarkt wird, weil einfach die Anzahl an Stellen, an freien Stellen sinkt und
damit an beruflichen Möglichkeiten. Und trotzdem ist es, ich weiß nicht woran es liegt, ob es
daran liegt, dass allgemein und das sieht man ja auch irgendwie in der Breite, so eine
Verdrossenheit da ist, was eben auch das Kommentieren, vielleicht auch das Rezipieren von
Inhalten angeht, dass man sich irgendwie auch so ein bisschen abschottet, um sich nicht
ständig mit Negativem auseinandersetzen zu müssen.
Das könnte ich mir gut vorstellen. Aber trotzdem ist es ja für uns auch, finde ich, eine
interessante Erkenntnis, dass Dinge, die einfach vor wenigen Jahren, für die wir noch sehr viel
Rückmeldung bekommen haben, einfach das schon ein bisschen zurückgegangen ist, obwohl
die Relevanz ja nicht weniger geworden ist.
[Sprecher 1]
Nee, aber es gibt sicherlich einige Einflussfaktoren. Im schlimmsten Fall könnte man
konstatieren, dass keiner mehr Lust hat, im Kulturbetrieb zu arbeiten. Das wäre das
Schlimmste.
Andererseits muss man sehen, dass wir wirklich in geburtenschwachen Jahrgängen sind. Das
heißt, Absolventinnen und Absolventen werden erst mal von der Anzahl her weniger. Das führt
ja auch in der Hochschullandschaft zu einigen Diskussionen, die spannend sind, wo sich das
hinbewegen wird, gerade wenn es darum geht, was die Ausleistung von Hochschulen, von
Studiengängen und Ähnliches betrifft und vielleicht auch die Zusammenlegung sogar von
Einrichtungen oder noch Profilschärfung.
Dann sind eben auch in den letzten Jahren, und das ist ja nichts, was plötzlich eintritt, aber das
ist etwas, was sich sozusagen dynamisch dann aufbaut, und die ganzen Skandale und
Entwicklungen im Kulturbereich, die es so gab, Diskussionen über unzufriedene Mitarbeitende,
eigentümliche Gepflogenheiten an Häusern usw., die führen natürlich auch über die Zeit dazu,
dass Menschen sich sukzessive verabschieden und dann tatsächlich aussteigen.
Und dann merkt man, dass dann halt Lücken entstehen. Umgekehrt ist es nach wie vor so, es
gibt gute Beispiele, es gibt sehr gute Beispiele, es gibt Beispiele von Einrichtungen, die sich auf
den Weg dazu machen, aber wenn man so in der Breite guckt, ist nach wie vor das
Personalthema noch kein strategisch verankertes Thema. Und das ist eigentlich eine
Katastrophe.
Also ich verstehe das gar nicht, dass man das nicht wirklich klarer erkennt. Jetzt zeigt sich in
manchen Bereichen, wo es auch gar nicht so einfach zu lösen ist, nämlich zum Beispiel im
ganzen handwerklich-technischen Bereich, weil eben umgekehrt auch bei den ganzen
Handwerksbetrieben und so Leute fehlen und auch dort händeringend Leute gesucht werden.
Und das natürlich auch im Kulturbereich so ist, dass solche Stellen immer weniger besetzt
werden können oder man auch länger braucht, um sie zu besetzen.
Aber das zeigt sich auch in vielen anderen Sachen. Wir hatten ja gerade im Zuge unseres
Podcasts oder auch Magazins, wenn es um die Vermittlung geht, gesehen, dass da nach wie vor
prekäre kurzfristige Arbeitsverhältnisse so sind. Bei vielen Einrichtungen sehe ich nach wie vor,
wenn sie Stellen besetzen, ganz viele Dinge, die da nicht beachtet werden.
Bei vielen Einrichtungen ist Onboarding nach wie vor kein Thema. Man muss es ja auch nicht
englisch bezeichnen, aber es geht einfach darum, wirklich den Weg von Menschen in die eigene
Organisation so zu gestalten, dass die Leute auch sehr schnell ins Arbeiten kommen, sehr
schnell sich in die Strukturen einfinden können, sehr schnell auch das Besondere im
Kulturbetrieb verstehen. Ich habe bei verschiedenen Tagungen auch immer wieder gehört,
dass es Quereinsteiger, Quereinsteigerinnen gab, die dann trotzdem den Kulturbetrieb wieder
den Rücken gekehrt haben, weil sie sich die Arbeitssituation im Kulturbetrieb ganz anders
vorgestellt hatten.
Und da verstehe ich überhaupt nicht, warum Kultureinrichtungen diesen Menschen nicht
helfen, sich erst mal stärker zurechtzufinden, schneller zurechtzufinden in den Bereichen und
auch die Unterschiede mal hervorzuheben und die vielen Freiheiten und positiven Aspekte des
Arbeitens in der Kultur auch mitbenennen. Klar gibt es auch manche Nachteile, wenn es darum
geht, dass bestimmte technologische Entwicklungen vielleicht noch nicht so weit sind wie in der
Wirtschaft, aber das muss ja trotzdem kein Grund sein, dann da auszusteigen, aber dass man
aufzeigt, wie man gemeinsam Dinge dann weiterentwickeln und vorantreiben will und das bis
hin eben auch, dass man wirklich mehr dafür tun muss, was ein angenehmes Miteinander ist,
was das Thema Gleichberechtigung, Gleichstellung betrifft. Diversität ist ein Riesenthema, da
sind wir ja genau bei unserem Themenkomplex, soziale Nachhaltigkeit, alles Themen, die damit
reinspielen und die eben alle auch nicht neu sind, aber für viele, viele Einrichtungen nicht auf
der Agenda sind oder sie haben natürlich, was ich total nachvollziehen kann, auch
Schwierigkeiten mit den Themen, weil die Frage ist, wie geht man da heran, wie setzt man das
um, wie stellt man sich da auf und das hat ja auch mit Zeit und eben auch mit Geld zu tun.
[Sprecher 2]
Ja und das ist genau, also das ist genau, finde ich, ein total wichtiger Punkt, den du sagst, denn
das Magazin beleuchtet ja die Frage oder verschiedene Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit im
Kulturbereich, also zum einen in Hinblick auf verschiedene Menschen, viele marginalisierte
Gruppen, also es geht um Menschen mit Behinderungen, es geht um Menschen mit
Migrationshintergrund, es geht um Geschlechterfragen, es geht um Klassismus, also ganz viele
verschiedene Themen und ich sage mal, naturgemäß, wenn man das so möchte, ist das
Magazin sehr moralisch.
Ich glaube, das kann man schon sagen, weil das natürlich irgendwo auch ein moralisches
Thema ist, zu sagen, es sollen einerseits überhaupt erst mal Zugänge zur Kultur als Arbeitsfeld
geschaffen werden und dann eben auch Arbeitsbedingungen verbessert werden, denn sie sind
ja nun mal vielerorts immer noch sehr schlecht, aber so manches Mal, wenn ich die Texte las,
ich habe ja auch viele Interviews selber geführt, das Editorial geschrieben, habe ich mich schon
gefragt, muss man das denn so moralisieren, also weil das einfach etwas ist, also was mir
natürlich persönlich sehr nahe ist, ja, ich finde das wahnsinnig wichtig und ich finde auch, sich
klarzumachen, dass eben nicht alle, die in der Kultur arbeiten wollen, das auch können, dass
das ein Problem ist, über das wir sehr selten sprechen, also es ist zumindest so meine
Wahrnehmung, dass wir darüber selten sprechen und nicht, weil vielleicht jemand nicht
qualifiziert ist oder nicht talentiert ist oder was auch immer, sondern weil eben es strukturelle
Barrieren gibt, die diesen Zugang und diese Möglichkeiten verhindern, aber ich sage mal, aus
einer sehr pessimistisch-pragmatisch-neoliberalen Perspektive könnte man ja auch einfach
sagen, so what.
[Sprecher 1]
Also ich glaube, jetzt wo du das so erzählst, was mir da so in den Kopf kommt, ist, dass man als
Einrichtung irgendwie immer über Einzelfälle nachdenkt und nicht über eine gesellschaftliche
Weiterentwicklung, die das obsolet macht, ja, also es ist immer sozusagen die Einzelsituation
der einzelnen Einrichtung oder bezogen auf eine einzelne Person und nie als generelle
Einstellung, dass man da eben einfach was tun möchte und da sicherlich auch Freiheiten hat.
Natürlich gibt es vielleicht auch manche Beschränkungen, die das nicht so einfach machen,
aber ich glaube, dass ein Grund sein könnte, dass man immer zu stark drauf schaut, man
macht das für einzelne wenige und macht es nicht für die Gesellschaft insgesamt.
[Sprecher 2]
Naja, oder was heißt nicht mal nur für die Gesellschaft insgesamt, sondern für die Organisation
insgesamt. Also ich glaube, ich gebe dir recht, also was ich meinte mit so what, man könnte ja
auch sagen, naja, aber Kulturorganisationen haben in den letzten 80 Jahren auch ohne das
funktioniert, ja, also auch ohne dass wir jetzt besonders auf Zugänge achten. Es gab immer
genug Menschen, die in der Kultur arbeiten wollen und wir haben auch immer gute Kultur
gemacht und dann eben, warum sollen wir jetzt für einzelne oder wir als einzelne
Organisationen können das gar nicht für einzelne so stark ändern und vielleicht ist es ja aus
Perspektive der Organisation gar nicht notwendig, weil es hat ja gut funktioniert.
Und ich finde es spannend, also das ist auch was, was durchaus in den Interviews rauskam,
dass eben diese Denke, dass man tut das nicht für sich als Organisation, sondern man tut das
für die Leute und dass es deswegen eben moralisch ist, weil man es für die Leute tut, gefühlt
sehr stark vorherrscht. Also du bist ja ein Geschäftsführer eines Unternehmens, jetzt kann ich ja
dich mal fragen, was tut es denn für die Organisation, also warum ist es denn zum Beispiel,
wenn wir jetzt bei KMN darüber sprechen würden, warum wäre das denn aus einer
organisatorischen oder unternehmerischen Sicht wäre trotzdem soziale Nachhaltigkeit etwas,
wo du sagst, da muss man trotzdem rein investieren, auch jenseits der Frage, ob es jetzt für
einzelne Personen gut ist, sondern eben für die Organisation.
[Sprecher 2]
Es kommt ja darauf an, welchen Bereich wir einfach anschauen. Also wenn ich jetzt darüber
nachdenke, dass ich nicht nur profitorientiert arbeiten will, sondern dass es auch Arbeitsplätze
schaffen soll, die auskömmlich sind. Das ist schon mal eine große Herausforderung und erst
recht im Kulturbetrieb.
Gerade als Dienstleister im Kulturbetrieb ist man nicht immer in der Situation, dass Leute
verstehen, warum man plötzlich für sein Dienstleistungsgeld möchte. Weil man ja irgendwie
gleichgesetzt wird mit dem öffentlichen Kulturbetrieb, der ja Gelder kriegt. Und da sind wir
auch bei einem interessanten Umkehrschluss.
Wenn ich nicht als Organisation darüber nachdenke, wie ich mich diesem Thema nähere, dann
ist für mich auch die Frage, warum sollen denn ausgerechnet all die anderen Personen, die
ausgeschlossen sind, den Kulturbetrieb finanzieren? Da sind wir nämlich bei anderen Themen,
die wir auch schon hatten, zum Beispiel beim Fachverband, wo es eben darum geht, was hat
denn Relevanz für Menschen und was hat keine Relevanz? Da, glaube ich, kann man ganz, ganz
lange spannende Themen besprechen.
Aber als Unternehmen für mich ist ja erst mal wichtig, ich möchte ja, dass meine
Mitarbeitenden auch am Erfolg des Unternehmens teilhaben, dass sie auch ihre Familien
betreuen können, dass sie eben nicht darüber nachdenken müssen, will ich eine Familie
gründen oder will ich arbeiten? Das ist für mich überhaupt keine Frage. Da mag meine
Ostprägung irgendwie hilfreich sein, weil ich einfach nur Frauen kenne, die nur gearbeitet
haben, meine Mutter auch, 44 Jahre im Stück, und gefühlt fast schon viel mehr gearbeitet hat
und meinem Vater mehr Care-Arbeit geleistet hat in der Familie.
Aber ich verstehe, also für mich ist es überhaupt keine Frage, das eine oder das andere machen
zu dürfen oder zu können, sondern das muss ich einfach gut miteinander vereinbaren lassen.
Und es ist auch völlig nachvollziehbar für mich, wir haben ja ganz viele Frauen, auch die Mütter
sind, oder generell auch eine ganz spannende Familienstruktur bei uns, wir haben ja viel
Nachwuchs in unserem kleinen Unternehmen, ist für mich überhaupt keine Frage, ob das die
Arbeitsabläufe stören könnte oder irgendwelche Probleme mit sich bringt. Ja, bringt es mit sich,
aber andererseits, wenn es keinen Nachwuchs mehr gibt, brauchen wir auch nicht mehr über
irgendwelche Dienstleistungen in der Zukunft zu reden.
Und daher ist es für mich total wichtig zu gucken, wie ich da einen sehr guten Ausgleich
zwischen den Bedürfnissen der einzelnen Menschen und der einzelnen Familienmitglieder, die
bei uns beschäftigt sind, finde, und den ansprechenden Bedürfnissen der Firma. Und die lassen
sich ja zum Glück bei uns auch sehr gut miteinander kombinieren. Klar ist auch immer, dass,
wenn man das Unternehmen weiterentwickelt, natürlich auch versucht, alle daran, also es ist
für mich zumindest klar, alle daran auch teilhaben zu lassen.
Und was gibt es für weitere Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit? Gerade wenn ich jetzt ein
Beschäftigungsverhältnis sehe, was auch längerfristig bedeutet, da geht es ja auch um
Sicherheit, auch um Sicherheit des Alters. Dass ich mich da als Unternehmer anders kümmere
für meine Sachen, ist ja meine Sache.
Aber die muss ich euch ja nicht aufdrücken. Und jeder hat ja seinen individuellen Weg. Und ich
glaube auch, zumindest habe ich das Gefühl, dass wir uns eben auch viel über individuelle,
auch familiäre Sachen austauschen, dass wir da einen guten Ausgleich miteinander finden.
[Sprecher 1]
Wobei man nun sagen muss, also wir sind natürlich ein kleines Unternehmen, nicht
vergleichbar mit, weiß ich nicht, einem dreisparten Theaterhaus mit mehreren hundert
Mitarbeitenden. Und bei uns sind ja diese familiären Strukturen auch als solche gewachsen,
wenn du so willst. Das heißt, also wir bauen uns jetzt quasi nicht komplett strukturell um,
gerade um das zu ermöglichen.
[Sprecher 2]
Das war aber auch noch nie ein Hindernis.
[Sprecher 1]
Nein, aber man muss natürlich sagen, wir sind ein komplett weißes, komplett ostdeutsches,
gesundes Team. Ein sehr, glaube ich, in unseren Einstellungen und Meinungen auch durchaus
recht homogenes Team. Also das muss man auch sagen.
Und natürlich könnte man auch bei uns kritisieren und sagen, wo sind denn die Minderheiten,
außer vielleicht den Ostdeutschen, quasi bei uns in der Firma, wenn wir das jetzt angehen
würden. Und ich will nicht sagen, dass wir es nicht wollen. Es war bisher einfach, ehrlich gesagt,
kein Thema, weil wir auch gar nicht so oft Stellen besetzen.
Müssten wir sicherlich auch an einigen Stellschrauben arbeiten. Aber ich finde es trotzdem
spannend, was du gerade gesagt hast. Wir würden das auch für die Organisation tun.
Denn wenn wir jetzt mal beim Thema Frauen bleiben und Frauen sind ja da schon, sagen wir,
eine Gruppe, mit der es in der Kultur im Vergleich zu anderen noch einigermaßen gut geht.
Also wenn wir da in anderen Branchen schauen, dann ist es vielleicht nochmal ganz anders.
Aber einer der Gründe, warum zum Beispiel Familienfreundlichkeit bei uns so ein großes
Thema ist, ist ja auch, weil du möchtest, dass wir hier arbeiten möchten.
Also da geht es ja durchaus, also ich sage mal, um eine besten Auslese, wenn du so möchtest.
Das Wort ist mir eigentlich nicht sehr nahe immer. Aber im Prinzip zu sagen, wenn du
Arbeitsstrukturen hast, die mit dem Leben von gewissen Menschen nicht zusammenpassen,
dann hast du halt vielleicht auch keine besten Auslese mehr, weil die besten vielleicht durch
andere Gründe gehindert werden, bei dir zu arbeiten.
Die dann eben zum Beispiel sind, die Bezahlung ist zu schlecht oder sie, es ist so unzugänglich
auf verschiedenen Wegen. Wenn ich an das Thema zum Beispiel Menschen mit Behinderungen
denke, da geht es im Magazin beispielsweise um taube Menschen. Da brauchst du natürlich
ganz andere strukturelle Voraussetzungen, um eine Kommunikation zu ermöglichen.
Oder sagen wir an Menschen, die mobilitätseingeschränkt sind. Allein der Weg zu unserem
Büro ist eine riesige steile Treppe. Das wäre schon ein großes Problem.
Aber trotzdem ist ja im Prinzip, oder was dahinter steckt, ist ja zu sagen, die Besten, die für eine
Stelle geeignet sind, sind ja nicht automatisch die, denen sich keine Barrieren in den Weg
stellen. Also die, die quasi dies am leichtesten haben, das sind ja nicht automatisch die Besten,
sondern solange es Barrieren gibt, gibt es vielleicht Menschen da draußen, die besser geeignet
sind für eine Stelle, sich darauf aber nicht bewerben oder schon überhaupt keinen Zugang in
welcher Form auch immer dazu haben, weil es eben diese Barrieren gibt, die ihnen ja in den
Weg gestellt werden.
[Sprecher 2]
Ja, und umgekehrt kannst du auch nicht alle Barrieren aus dem Weg räumen. Das ist eben auch
eine Erkenntnis. Wir waren schon mal viel diverser.
Wir hatten auch Leute aus anderen Kulturkreisen im Unternehmen beschäftigt. Das war dann
halt temporär. Da haben sie auch Dinge verändert, weil die dann wieder woanders
hingegangen sind.
Und klar, so wie du das jetzt beschreibst, dass es eine homogene, weiße Gruppe ist, das ist gar
nicht gewollt. Das ist gar nicht gewollt. Und wir haben auch schon Schwerbehinderte
beschäftigt bei unserem Unternehmen.
Und das ist aber für so ein kleines Unternehmen, ergeben sich daraus auch manchmal
unüberwindbare Hürden. Also wenn ich mir jetzt überlege, dass ich, vielleicht könnte man, also
mobilitätsbehinderte Menschen wären, glaube ich, für uns kein Problem, die anzustellen. Weil
wir sind hier gewohnt, im Homeoffice zu arbeiten.
Und wir haben auch Mitarbeitende, die weit, weit weg von uns wohnen und leben und es
trotzdem machen. Also da hätte ich auch überhaupt gar keinen Vorbehalt. Gar nicht.
Das wäre gar kein Problem, wenn sie ins Unternehmen kommen müssten, schon, weil dann
müsste man wirklich für sich auch die geeigneten Räumlichkeiten überhaupt erst mal finden
und diese Voraussetzungen schaffen, was natürlich wieder Investitionen nach sich zieht, die für
so ein kleines Unternehmen natürlich nicht so einfach zu stemmen sind. Wo es viel größere
Probleme für uns gibt, ist, wir haben zwar ein englischsprachiges Portal und ein
deutschsprachiges Portal, aber das deutschsprachige Portal, da ist eben leider eine
Voraussetzung, dass man wirklich auch diese Sprache beherrscht. Da kann ich gar keine
Abstriche machen oder nur wenige und das ist schon auf jeden Fall ein Hinderungsgrund oder
eine Barriere.
[Sprecher 1]
Wobei man dann ja schauen könnte, in den nächsten Jahren, ob das zum Beispiel ist, mit KI, mit
Textbearbeitungstools und so weiter und so fort. Aber ich stimme dir zu, und das gilt ja auch
für Kulturangebote, also die Sprachbarriere kann ja dann in mehrere Richtungen sein. Also
wenn man deutsche Angebote macht und vielleicht Menschen hat, die nicht so gut Deutsch
sprechen, also Mitarbeitende, gleichzeitig aber natürlich auch Angebote in anderen Sprachen
und man hat die Mitarbeitenden nicht, ist natürlich immer eine Hürde, für die es aber sicherlich
Lösungen gibt, sage ich mal.
Aber klar, allein das Beispiel macht ja schon deutlich, im Zweifelsfall vergrößert es den internen
Arbeitsaufwand und verringert damit den Output und das ist natürlich was, worüber man
nachdenken muss, ob man damit umgehen kann und wenn ja, wie.
[Sprecher 2]
Und man muss immer dazusehen, dass ein Unternehmen eben, das ist eine bewusste
unternehmerische Entscheidung, also für ein kleines Unternehmen nochmal ganz anders als
für große, weil du in großen Unternehmen das anders kompensieren könntest, aber für kleine
Unternehmen ist das wirklich, kann das existenzentscheidend sein. Und das macht es dann so
schwierig bei allen Ansprüchen, die man hat und bei allen, was man auch thematisch nach
vorne bringt, wie er ja auch, wo man dann natürlich auch sagen muss, nicht alles, was wir
veröffentlichen, kommentieren, fordern, zur Diskussion stellen, erfüllen wir selbst. Und dem
stellen wir uns auch.
[Sprecher 1]
Aber ich glaube, es zeigt eben ganz gut, dass, oder worum es mir jetzt ging, war ja primär zu
sagen, man sollte sich mit dem Thema eben nicht nur beschäftigen für die Leute, sondern auch
für die Organisationen, weil es ja dennoch ein Mehrwert ist und natürlich hast du, es erzeugt
immer Reibung, wenn verschiedene Arten von Menschen zusammenarbeiten und das kann ja
jegliche Art von verschiedenen Arten von Menschen, sag ich mal, sein, das ist ja schon
Menschen mit oder ohne Kinder oder so, aber diese Reibung, die kann ja durchaus auch
fruchtbar sein, wenn man irgendwie darüber in Aushandlungsprozesse und neue Perspektiven
kommt. Und darum geht es eben auch in dem Magazin anhand von verschiedenen Beispielen
darum, dass eben diese neuen Perspektiven dann auch quasi in die kulturellen Produkte, in den
Output wiederum einfließen und den auch verändern. Und verändern heißt ja dann eben nicht
schlechter machen, sondern verändern.
Und ich weiß in dem Interview mit Anna Zosig und Julia Jost, da ging es auch so ein bisschen
um die Frage eher unternehmerische Kulturbereiche und Veranstaltungswirtschaft und der
öffentliche Kulturbereich und Frau Jost von FORWARD, der Bundesvereinigung für die
Veranstaltungswirtschaft, sie sagte eben auch, naja, also für uns ist das Wissen über bestimmte
beispielsweise Beeinträchtigungen, Diskriminierungen in Unternehmen zu haben, bedeutet
auch besser auf Auftraggeber eingehen zu können. Wenn eben Veranstaltungen barrierefrei
sein sollen, dann hilft es jemandem im Team zu haben, der sich, und zwar aus eigener
Erfahrung, auch damit auskennt und sowas mitdenken kann.
Das ist einfach wirklich ein unternehmerischer Vorteil und den kann man ja in Bezug auf den
öffentlichen Kulturbereich dann genauso auf das Publikum übertragen und sagen, im Prinzip
ist das Publikum, wenn wir so wollen, hier der Auftraggeber in diesem Vergleich und das
einzubeziehen, verbessert also auch das, was wir dem Publikum bieten können. Und das ist
vielleicht nicht, wie soll ich das sagen, qualitativ messbar, weil ja dann die Frage ist, welche
Qualitätskriterien lege ich an, aber wenn zum Beispiel eben ein Kriterium ist, dass
beispielsweise taube Schauspielende vielleicht dazu führen, dass auch mehr taube Menschen
ins Publikum kommen und damit wiederum kulturelle Teilhabe ermöglicht wird, dann ist das ja
eigentlich schon etwas, was die Kultureinrichtungen auch wollen sollten oder von dem man
annehmen würde, dass sie es wollen, weil ja die Diversität der Gesellschaft auch bedeutet, man
muss auch andere Publiker ansprechen und ich glaube, darüber brauchen wir uns auch nicht
reiten.
[Sprecher 2]
Nee, und man hat ja auch gesehen, gerade auch bei der Fachverbandstagung und den
Beispielen, die dort waren, es ist ja völlig irre zu denken, ich muss allen diesen Ansprüchen
gerecht werden und ich muss in allen Bereichen gleichzeitig Dinge leisten, sondern dort gab es
ja ganz explizit Beispiele, die sich eben nur auf eine bestimmte Gruppe hin orientiert haben und
gesagt haben, das ist unser Weg und mit denen arbeiten wir, das nehmen wir auch ernst, das
bereichert uns und ist auch ein neuer Weg für uns, davon lernen wir viel und wir entwickeln uns
da gemeinsam weiter und so ist das für uns im Unternehmen auch. Ich versuche auch immer
möglichst eben auch Menschen anzusprechen, die nicht so sind, wie wir jetzt schon im Team
und manchmal ist es ja auch so, das macht ja auch Teamdynamiken aus, dass man sich dann
schon irgendwo auch im ständigen Miteinander auch ein bisschen stärker angleicht, von daher
ist es ja auch immer gut, mal da Interventionen zu haben oder auch mal Veränderungen zu
haben, gerade weil das eben auch dazu führen kann, dass man gar nicht mehr vital ist als Team
und gar nicht mehr kreativ ist im Team und so weiter und da bringen neue Denkweisen ganz
andere Zugänge zu Themen immer gute Inputs.
[Sprecher 1]
Und ich glaube, der Satz ist auch ganz schön zu sagen, wenn man einmal etwas für etwas
sensibilisiert ist, dann wird man dafür nicht wieder unsensibel, also wenn man einmal etwas
bemerkt hat, kann man es nicht mehr nicht bemerken, will sagen, wenn man einmal
angefangen hat, sich zu überlegen, wie man Prozesse vielleicht anders gestaltet, im Hinblick
auf eine bestimmte marginalisierte Gruppe der Gesellschaft, gehen damit glaube ich immer
zumindest bis zu einem gewissen Maß auch dann das Denken an andere Gruppen mit oder
dann auch immer, wenn man mit anderen Gruppen in Kontakt kommt, dass man dann
automatisch überlegt, okay, wie können wir das, was wir schon verändert haben, jetzt auch für
diese adaptieren. Also es muss ja nicht alles auf einmal sein und man wirft jetzt anders um,
aber glaube ich, sich klarzumachen, dass soziale Nachhaltigkeit, mal davon abgesehen, dass
der Status quo und das zeigt die Magazinausgabe ganz gut, wirklich schlecht immer noch ist im
Kulturbereich, was die soziale Nachhaltigkeit angeht, also diese gleichen beruflichen
Möglichkeiten für alle Menschen im Prinzip überhaupt erstmal zu schaffen, aber dass das eben
auch wirklich den Unternehmen selbst, den Organisationen selbst zugute kommt und es eben
nicht nur darum geht, dass quasi jetzt die Mitarbeitenden es schön haben oder wie auch
immer, sondern dass es wirklich auch gut für die Organisationen ist.
Ich glaube, das finde ich ganz essentiell, dass wir dahin kommen, dass es eben nicht nur diese
moralische Debatte ist.
[Sprecher 2]
Ja, aber wie du sagst, wenn man anfängt, sich darauf einlässt, Erfahrungen sammelt, das
bereichert einen ja auch. Das bringt einen auch als Organisation weiter, bringt einen als Team
weiter. Wenn ich mich mit diesen Themen hier innerhalb des Unternehmens beschäftige, klar
sind manche Dinge einfach anstrengend, aber andererseits bilden sie mich ja auch wieder als
Führungskraft oder sprechen vielleicht Dinge in mir und meiner Persönlichkeit an, die ich eben
noch nicht so entwickelt habe und dann habe ich da eine Möglichkeit und habe ich da eine
Chance, auch was zu tun.
Und umgekehrt hilft es ja sogar auch, wenn man darüber publiziert, Dinge dazu veröffentlicht,
vielleicht auch dann die Chance zu haben, aus eigenem Erleben das machen zu können, was
viel authentischer ist.
[Sprecher 1]
Naja, und es geht ja wieder so ein bisschen zu dem, worüber wir am Anfang gesprochen haben.
Was ist die Perspektive da drauf? Also ist es etwas, das vielleicht sagen wir erstmal, die Art wie
ich Dinge sehe, stört und mich dann auch stört, weil ich mich irgendwie davon angegriffen
fühle, was glaube ich schon oft der Fall ist.
Und also gerade bei solchen Themen wie sozialer Nachhaltigkeit, wenn ich jetzt sage, wir haben
in dem Magazin werden viele verschiedene Studien genannt, so ganz verschiedene Aspekten
und eigentlich alle sind unbefriedigend, so, dann kann ich mir schon vorstellen, dass man als
Kulturschaffende, als Mitarbeitende einer Kulturinstitution erstmal so ein bisschen was von sich
stößt und sagt, naja, aber wir machen doch was oder wir geben uns doch Mühe. Also man
möchte sich natürlich immer ungerne vielleicht eingestehen, dass man selbst Teil des Problems
ist. Deswegen habe ich das auch so gesagt.
Also müssen wir halt über unser Team auch sagen, wir sind einfach ein sehr homogenes Team,
aber es sich dann doch einzugestehen und sich in die Perspektive von anderen zu versetzen,
bringt ja dann auch persönliche Weiterentwicklung. Also es führt ja dann dazu, dass ich über
Dinge vielleicht anders nachdenke, dass ich mich selbst vielleicht auch hinterfrage und das ist ja
auch total wichtig, dass man nicht nur durch die Welt geht und denkt, ich bin der Beste oder die
Beste und mache alles wunderbar und ich persönlich muss erstmal hier gar nichts ändern,
sondern dass man sich auch selbst hinterfragt und dass sich eben einfach halt die Welt auch
verändert und es ja auch nichts bringt sich irgendwie dem zu verweigern, aber von daher ist ja
eine Störung in welcher Hinsicht auch immer dann ja doch auch eben was Produktives und im
Prinzip die Erfahrung zu sagen, naja, was heißt es denn, wenn wir jetzt soziale Nachhaltigkeit
fördern und einfach mehr Leute Zugänge zu bekommen und es fängt ja auf allen Ebenen an.
Also in der Magazinausgabe geht es ja auch um die Hochschulen, um wer bekommt
Studienplätze, wie sind die Arbeitsbedingungen dann in der Wissenschaft, die sich ja wieder
darauf auswirken, wie werden Studierende ausgebildet, die später in die Kultur gehen und so
weiter und so fort, dass es am Ende vielleicht erstmal störend und schwierig ist, weil ich was
verändern muss, aber eben dann hoffentlich auch produktiv und ich meine, in dem Magazin ist
niemand, der sagt, wir haben das versucht und haben es dann wieder gelassen, weil es
irgendwie weil es dann doch nicht so war, ich meine vielleicht gibt es das auch und solche Leute
sagen es nicht öffentlich, das kann natürlich sein, aber im Prinzip ist es zumindest etwas, was
ich auch auf Tagungen oder so zu solchen Themen noch nie gehört habe, dass jemand gesagt
hätte, ja wir haben jetzt da unsere Strukturen geöffnet, aber am Ende haben wir das dann
wieder umgekehrt, weil wir wollten es dann doch lieber wieder so, wie es irgendwie vor 30, 40
Jahren war.
[Sprecher 2]
Was gar nicht funktionieren kann. Also ich glaube, wenn da wirklich Dinge sich verändern oder
man sich für Dinge öffnet, das wieder zu schließen oder zurückzuführen, das macht überhaupt
keinen Sinn. Also dann vergibt man sich ja selber einfach wirklich auch wieder
Entwicklungschancen.
Also man kann ja sagen, also es gibt bestimmte Barrieren, die man nicht überspringen konnte,
aber trotzdem lernst du ja immer auch bei der Beschäftigung damit, was für dich und kannst
vielleicht in einem anderen Bereich aber was ändern und da weitergehen, weil du merkst, du
kommst an einer Richtung nicht weiter.
[Sprecher 1]
Ja, ich meine gleichzeitig sehen wir jetzt ja schon, sagen wir in der breiteren Gesellschaft, ich
weiß nicht, wie das in den Kultureinrichtungen ist, aber es gibt ja schon so gewisse
Rückwärtsbewegungen oder Tendenzen, dass auch gewisse Freiheiten, gewisse Ansichten, also
ich sag mal Gleichberechtigung von Mann und Frau, Geschlechtsidentitäten, sexuelle Vorlieben,
also das alles, wo man gesagt hat, in den letzten 20 Jahren ist da viel passiert und zumindest in
gewissen gesellschaftlichen Bereichen gibt es da wieder ein Backlash und dass das zunimmt,
heißt ja, dass es durchaus Leute gibt, die sich da, wenn man so möchte, zurückentwickeln.
[Sprecher 2]
Was aber für mich ganz häufig damit zu tun hat, dass dahinter liegende Ängste nicht wirklich
erkannt und aufgearbeitet werden. Das ist für mich immer ein Thema, Befürchtungen oder
Vorbehalte gegenüber Veränderungen haben ja auch viel mit Ängsten zu tun und müssen gar
keine großen Themen sein, sondern es können ganz kleine Themen sein oder dass man nur
ankündigt, dass man sich verändern möchte. In einer Einrichtung kann ja schon viele, viele
Ängste mit sich bringen und vermeintlich einfache Lösungen oder Statements oder
Rückbesinnungen bieten da die Möglichkeit, sich davor zu bewahren, aber das hilft halt nicht.
Das bringt der Organisation nichts und es bringt auch meistens dem Menschen nichts, sondern
sich damit auseinanderzusetzen, was ist denn das, was mich eigentlich so dagegen wehren
lässt oder mich dagegen sterben lässt? Was sind denn wirklich Ängste? Sind die überhaupt
greifbar?
Sind die real? Kann man das an etwas festmachen? Wie kann man damit umgehen und das
auch auflösen?
Das ist, glaube ich, ein wichtiger Aspekt und das macht ja auch Veränderungsprozesse in
Organisationen so schwierig, aber auch so spannend. Also einfach auch zu gucken, wie kriegst
du einfach bestimmte Dinge aufgeschlossen und wie kannst du Menschen dazu bewegen, sich
eben wirklich im Sinn der Veränderung diesen Prozess mitzugeben.
[Sprecher 1]
Es ist immer psychologisch. Das ist ja auch was, was es spannend macht, weil wir ja immer alle
uns für so wahnsinnig rational halten, aber eigentlich sind wir das ja nicht und ja, genau wie du
sagst, unsere Ängste, aber ja auch unsere Sicherheiten und all das, das ist ja alles irgendwo
auch psychologisch begründet und oft wird ja auch Rationalität vorgeschoben, obwohl
eigentlich rationale Gründe gar nicht die wahren Gründe sind. Also genauso könnte man ja
sagen, rationale Gründe gegen soziale Nachhaltigkeit sind eben eigentlich vorgeschoben vor
Vorurteile, vor Ängste, wie du sagst, vor Befürchtungen, was ist mit meiner eigenen Position?
Werde ich hier in Frage gestellt?
Das ist natürlich ganz klar und genauso kann man eben andersrum auch sagen, naja, vielleicht
sind aber auch rationale Argumente für soziale Nachhaltigkeit in anderen Dingen, um
psychologischen Dingen, um Weltansichten und so weiter und so weiter begründet. Das ist
ganz klar, aber ich würde dir zustimmen, also Rechtsruck, Konservatismus, all das, ich will das
auf gar keinen Fall kleinreden, ich halte das für ein enormes Problem in unserer Gesellschaft,
aber es ist doch etwas, wo sich die Breite der Kultur, denke ich, nicht dahinter stellen würde.
Also vielleicht natürlich, vielleicht weiß man es nicht, vielleicht gibt es Theater, die sich gern
wieder auf die deutschen Klassiker stärker besinnen möchten oder was auch immer, Museen,
die eben dann doch vielleicht in den Regionalmuseen wieder die Größe Deutschlands mehr
besingen wollen oder was auch immer, also das natürlich als sehr überspitzte Beispiele.
Aber die Wahrnehmung, meine Wahrnehmung ist, Kultur möchte ja immer sehr offen sein und
sehr, wie du sagst, avantgardistisch, also liberal in Bezug auf Werte und Lebensweisen und
dann muss man das natürlich auch irgendwo nach innen vertreten.
[Sprecher 2]
Naja, wenn sie sich dessen bewusst wäre, dass sie das eben tatsächlich oft auch nicht ist und so
selbstkritisch wäre, wäre ja schon mal viel getan. Also das ist für mich immer diese Diskrepanz,
womit Kultur immer aufgeladen wird, wie wenig davon tatsächlich dann auch im Inneren davon
gelebt wird oder auch hochgehalten wird. Und es ist gar keine Frage, dass viele dieser Werte
und der Ansprüche, die man dort nach außen postuliert, sehr hoch sind und auch viele
Herausforderungen mit sich bringen, gar keine Frage, aber zumindest sich damit
auseinanderzusetzen, dass man dem auch nicht immer gerecht wird, wäre schon mal ein
Anfang.
[Sprecher 1]
Aber das ist ja total spannend, weil da, also ich sag mal, in meinem Kopf auch so zwei
Widersprüche aufeinanderprallen, weil man einerseits, wie du sagst, das Gefühl hat, es wird
immer gern viel vor sich hergetragen und es passiert wenig. Gleichzeitig habe ich aber, glaube
ich, noch nie jemanden aus dem Kulturbereich getroffene Person, die gesagt hätte, ach ja,
eigentlich finde ich das alles doof und mir ist das alles egal und ich will das nicht. Also ich finde,
im persönlichen Gespräch mit Leuten und auch nicht so, dass ich das Gefühl hätte, dass sie das
nur sagen, weil sie denken, dass ich das hören will, sondern dass das eigentlich schon diese
Werte irgendwie die meisten vertreten und dann fragt man sich ja immer, aber sind dann die,
an denen das quasi hängt, die, die man eben nicht trifft?
[Sprecher 2]
Ja, weil 100 Prozent bildet sich in allen Organisationen, auch in Kulturorganisationen, die ganze
Bandbreite der Gesellschaft.
[Sprecher 1]
Natürlich.
[Sprecher 2]
Und auch politisch. Das kann gar nicht anders sein. Das ist genauso wie man, also wie es völlig
lächerlich ist zu denken, dass es keine schwulen Männer im Fußball gibt.
[Sprecher 1]
Früher dachte man das.
[Sprecher 2]
Wenn du auf den Fußball guckst, das ist immer noch ein Tabuthema. Es gibt ganz wenige, die
sich wirklich da getraut haben, mit an die Öffentlichkeit zu gehen. Es gibt viele, die im
Nachhinein darüber sprechen, wie schwierig das persönlich war, damit umzugehen, dass man
das eben nicht offen ausleben konnte oder darüber reden konnte.
Und genauso ist es mit allen möglichen Ansichten, Vorbehalten, Vorurteilen, die es auch in
jedem Kulturbetrieb gibt. Und vielleicht hast du die gerade oder hast du die gerade nicht
getroffen. Für mich ist es tatsächlich so, das ist aber nur so eine kleine lustige oder vielleicht
auch nicht lustige Randnotiz meiner Künstlerkarriere.
Ich bin eben tatsächlich in Orchestern auch solche Leute getroffen, die das halt wirklich einfach
nur, also die mir das völlig uninspirierend rübergebracht haben, welche Einstellungen sie zu
ihrem Musikerdasein und zu ihrem Job haben. Und das hat mich damals dazu geführt zu sagen,
ne, also da möchte ich nicht arbeiten. Ja, weil ich ganz andere Vorstellungen davon hatte, wie
man in einem Orchester ist und was für einen Zugang zur Musik und zur Coolness und zu dem
ganzen Dasein man hat.
Das fand ich schon ziemlich ernüchternd. Das hat mich auch dazu geführt, dass ich meinen
vielen, vielen anderen Neugierigkeiten und Entdeckungen und Neibungen dann doch nicht
mehr nachgegeben habe.
[Sprecher 1]
Und ich glaube, es ist schon so, gerade wenn man auch mit Führungspersonen spricht, die
Veränderungsprozesse in welcher Richtung auch immer in Gang setzen wollten, die berichten
ja auch immer davon, dass es Mitarbeitende gibt, die dem entgegenstehen und die das nicht
wollen.
[Sprecher 2]
Was auch, finde ich, normal ist.
[Sprecher 1]
Ja, und was ich aber sagen wollte ist, ich glaube, es ist so, dass, wenn wir zum Beispiel auf
Tagungen fahren und mit Leuten treffen, dann sind ja auf diesen Tagungen immer die Leute,
die etwas verändern wollen. Und die, die das nicht wollen, die gehen ja dort nicht hin und
sagen, ich höre mir das jetzt drei Tage an, eigentlich finde ich das alles blöd und dann gehe ich
wieder ins Büro und mache alles so, wie ich es vorher gemacht habe.
[Sprecher 2]
In dem Sinne auch ein bisschen selbstreferenziell und das Interessante ist aber, was passiert
dann mit diesen Menschen in den Einrichtungen? Was können die dort bewirken? Was können
die dort vielleicht auch als kleine Pflänzchen einpflanzen, die dann irgendwann größer werden?
Und ich war ja gerade jetzt wieder auf einer Tagung zum Thema ökologische Nachhaltigkeit
und da hat es auch damit stattgefunden, dass völlig Fachfremde, wenn man das so will, eine
Bewusstheit zu diesem Thema ökologische Nachhaltigkeit hatten und da angefangen haben,
Veränderungen einzuführen oder nachzufragen oder auch etwas zu installieren und das dann
richtig zum großen Veränderungsprozess geführt hat, der eben dazu führte, dass eben jetzt
genau an dem Haus, also ich rede hier über das Theater Energieforum in Kassel, dass eben der
Energiemanager oder weiß ich gerade nicht, wie die genaue Bezeichnung ist, aber an dem
Haus ein Mensch eingestellt wurde, der sich tatsächlich um Energieeffizienz und andere
Themen kümmert, aufgrund einer Initiative aus der Musikerschaft, die sich eben mit
ökologischen Themen beschäftigt hat und gesagt hat, das wollen wir auf die Agenda setzen
und sind da auch hart mitgeblieben und das hat dazu geführt, dass dieser Mensch eingestellt
wurde. Er hat innerhalb des ersten Jahres auch seine eigenen Kosten amortisiert, entwickelt da
jetzt vieles weiter und hat dann gesagt, ich möchte über das Thema größer reden und das ist
auch jetzt an dem Haus basiert, waren wirklich über 50 Leute aus ganz Deutschland da, aus
ganz unterschiedlichen Häusern und haben sich eben über das Thema Energieeffizienz und
energetische Nachhaltigkeit, ökologische Nachhaltigkeit an Theatern unterhalten. Ganz
spannend.
[Sprecher 1]
Naja klar und ich meine, wenn wir in die Magazinausgabe zur sozialen Nachhaltigkeit schauen,
dann ist zwar einerseits der Befund, dass im Prinzip die Situation für sehr viele Menschen
immer noch sehr schwierig und sehr schlecht ist, also gerade auch, es geht auch um Freie, um
alle, die von Honoraren abhängig sind, um den Bühnenverein, der ja zugegebenermaßen,
wenn man es beispielsweise mit Museen oder Bibliotheken oder anderen Bereichen vergleicht,
dann ist ja der Bühnenbereich schon immer ein bisschen schwieriger, was das Arbeiten angeht,
aber trotzdem stellen im Prinzip alle AutorInnen der Ausgabe fest, es verändert sich eigentlich
etwas zum Positiven und es hat niemand hat geschrieben oder hat mir im Gespräch gesagt, wir
haben das Gefühl, es ist in den letzten Jahren wieder schlechter geworden. Also muss man auch
sagen und klar, große strukturelle Veränderungen dauert eben immer lange. Das geht eben
nicht innerhalb von sechs Monaten, dass etwas passiert, aber es passiert durchaus etwas und
das ist ja das Schöne, dass eben beispielsweise solche Magazinausgaben dann anhand von
konkreten Beispielen auch immer wieder zeigen, wie es wirklich auf der organisatorischen
Ebene funktionieren kann.
Also hier denke ich zum Beispiel an den Beitrag von der Hochschule für Musik und Theater in
Hamburg, wo es eben schon um die Frage geht, wer bekommt bei uns Studienplätze? Wer hat
überhaupt die Möglichkeit, sich bei uns auf Studienplätze zu bewerben? Wie können wir diese
Verfahren schon anpassen?
Wie können wir Strukturen schaffen, um beispielsweise Menschen mit Behinderung das
Studium zu erleichtern und so weiter und so fort? Das einfach zeigt, es geht, wenn wir es
wollen, wenn wir uns dafür einsetzen und wenn wir dafür stehen und es passiert im Prinzip
wirklich auf sehr, sehr vielen Ebenen tatsächlich schon sehr viel und das vielleicht nochmal als
einen Eindruck, weil ich weiß, dass du das auch spannend fandest, das Interview mit Iris Zappe-
Heller vom österreichischen Filminstitut.
Bei dem es mir eben wirklich um die Frage ging, was können auch Förderinstitutionen tun und
sie halt ganz klar gezeigt hat, also wir fordern, wir bitten nicht nur darum, dass die Menschen
oder die Institutionen, die von uns Geld bekommen, Dinge tun, sondern wir fordern, dass sie
das tun. Sie müssen das nachweisen, daran sind dann auch weitere Gelder gekoppelt und so
weiter. Also, dass es verlangt wird, dass das durchaus funktionieren kann, fand ich war dafür
eben auch nochmal ein gutes Beispiel.
[Sprecher 1]
Ja, ich sage immer gerne, Beachtung schafft Verstärkung. Das gilt natürlich auch dafür, je mehr
man wirklich da den Finger drauf legt oder je mehr man das auch diskutiert, je mehr man das
auch auf die Agenda hebt, umso stärker wird das natürlich auch bewusst und umso mehr wird
das auch anschlussfähiger für die Menschen. Das ist im Negativen wie im Positiven.
Also Beachtung schafft immer Verstärkung und was ich an dem Interview spannend finde oder
generell auch und was mir ja auch ein bisschen gegen den Strich geht, wie viel Veränderungen
immer mit Verboten, Einschränkungen, Regelungen und ähnlichen verbunden werden und nie
mit motivierenden Instrumenten, also mit Unterstützung oder Anreizen oder was auch immer,
sodass Menschen vielleicht sogar aus sich selbst heraus oder auch Organisationen aus sich
selbst heraus sagen, ja, also wir gehen jetzt den Weg, auch weil uns Anreize, Wege geöffnet
werden, das zu machen und das wollen wir tun und nicht darüber nachdenken müssen, sind
wir in einer bestimmten Größe und müssen das machen oder wir müssen uns zwangsweise
oder haben eine Regel, die das und jenes besagt, sondern tatsächlich motivierende
Instrumente, aktivierende Instrumente und Anreizsysteme dafür zu schaffen, finde ich viel
spannender.
Und wenn das einmal im Rollen ist, wird das ja auch nicht so sein, dass die dann plötzlich
aufhören, sondern haben sich ja Dinge etabliert, also erst mal verändern und dann etabliert
und man sieht vielleicht sogar dann auch die positiven Effekte davon und dann geht man
einfach weiter. Das kriegt man ja in ganz, ganz vielen unterschiedlichen Thematiken immer
wieder mit, wo sich Leute auf den Weg gemacht haben, ist ja beim Digitalisieren genau
dasselbe Thema und das wäre sicher ein schönerer Ansatz.
[Sprecher 2]
Ja, wobei natürlich das Problem immer ist mit der extrinsischen und der intrinsischen
Motivation. Die extrinsische hält immer nicht so gut vor, ja. Die intrinsische funktioniert
natürlich immer besser und ich habe das so ein bisschen gedacht, jetzt auch als wir den
Rückblick zur Fachverbandstagung geschrieben haben, weil ich da gerade kurz vorher einen
Podcast dazu hörte, wo es auch so darum ging, dass es im Prinzip eine zunehmende
Anspruchshaltung auch gegenüber der Politik und der Verwaltung gibt, dass die Probleme
lösen und Menschen dazu zwingen, sich mit Problemen zu beschäftigen, während, was ja
bedeutet, dass wenn ich als Kulturorganisation sage, naja, ich kann aber nichts machen,
solange nicht mein Träger, solange nicht die Politik, solange das oder das, dann gebe ich ja
auch diese Verantwortung dafür ab, anstatt ich sie mir eben selbst nehme und intrinsisch
motiviert sage, ich will das jetzt.
[Sprecher 1]
Ja, aber gesetzt in dem Fall, du bist wirklich so intrinsisch motiviert und machst dich bei
manchen Themen auf den Weg, dann stehst du zum Teil Regelungen und Regelwerken
gegenüber, die wirklich überbordend sind und die noch nicht mal die einfachsten Fußschritte
mal zulassen, ohne dass du konzeptionell, organisatorisch, strukturell und was nicht alles schon
vorbereitet hast. Auch so ist es auch nicht gut.
[Sprecher 2]
Das soll nicht bremsen.
[Sprecher 1]
Genau, also einfach auch kleine Schritte, auch vielleicht mal unkonventionelle Schritte einfach
mal zuzulassen und nicht alles gleich in den Regelwerk zu packen, wäre schon auch in mancher
Hinsicht ein Fortschritt. Absolut.
[Sprecher 2]
Und trotzdem, glaube ich, würde ich die Podcast-Folge gerne mit dem Aufruf auch so ins neue
Jahr starten, zu sagen, nicht nur im Hinblick auf soziale Nachhaltigkeit, sondern allgemein,
übernehmt die Verantwortung, also übernehmt sie auch mit Lust, mit Spaß, mit Freude die
Verantwortung für Veränderungen, anstatt sie jemand anderen abzugeben oder darauf zu
warten, dass jemand anderes euch zwingt und findet eure Selbstwirksamkeit. Ich glaube, ich
habe das schon sehr oft gesagt in diesem Podcast, aber ich finde es einfach sehr wichtig zu
sagen, wartet nicht darauf, dass jemand anderes etwas für euch macht.
[Sprecher 1]
Und Verantwortung ist ein viel schöneres Wort als Zuständigkeit. Zuständigkeit führt in meinen
Augen immer zu Zuständen und da ist Verantwortlichkeit, gerade wenn man das auch noch
selbstbestimmt, dann auch macht. Das ist ja auch das Interessante, im Englischen ist ja
Responsibility viel positiver besetzt als in der deutschen Verantwortung.
Obwohl eigentlich das gleiche drin steckt, ein Wortkern, da steckt ja Antwort drin. Also sich in
einer Rolle bewusst zu finden und aus dieser heraus eine Antwort zu geben, das hat ja sehr viel
mit Selbstbestimmtheit zu tun und wie du sagst mit Selbstwirksamkeit. Also dann macht ja
Verantwortung auch Spaß.
Und wir denken bei Verantwortung viel zu sehr an Schuld und Recht und Vorurteilung. Und das
ist sprachlich ein Nachteil, aber wenn wir uns dessen bewusst sind, können wir den ja
überwinden und trotzdem eine positive Konnotation da hineingeben.
[Sprecher 2]
Genau, liebe Hörende, jetzt haben wir euch einmal dafür sensibilisiert und jetzt hoffen wir, dass
ihr quasi dafür auch sensibilisiert bleibt. Dirk und ich sind heute ein bisschen thematisch
gesprungen hin und her. Wir hoffen, das ist nicht schlimm und dass ihr trotzdem vielleicht ein
bisschen Inspiration aus dem ziehen konntet, worüber wir gesprochen haben.
Falls ja, seid nicht rückmeldungsfaul, lasst es uns gerne wissen. Lasst uns auch gerne wissen,
wenn ihr uns widersprecht, wenn ihr andere Ansichten habt als wir. Auch dafür sind wir
natürlich immer total offen.
[Sprecher 1]
Das können sich unsere Hörenden ja fürs neue Jahr vornehmen, wirklich auch mal uns ein
Feedback dazu zu geben, wir würden uns sehr freuen.
[Sprecher 2]
Genau und natürlich auch über jede andere Art von Input, wenn ihr gute Beispiele kennt, wenn
ihr Erfahrungen mit uns und den anderen Kulturschaffenden teilen wollt in diesem Jahr.
[Sprecher 1]
Oder auch Themen.
[Sprecher 2]
Oder auch Themen, dann sind wir dafür natürlich total offen. Und grundsätzlich können wir
aber sagen, wir freuen uns auf ein neues Kulturjahr mit euch. Wir hoffen, ihr bleibt unserem
Podcast und unseren redaktionellen Inhalten und allem, was wir tun, auch weiterhin gewogen
und sind dann im Februar